Degem - Deutsche Gesellschaft für elektroakustische Musik e.V.

KÖLN - weltweit erste Gesamtrealisation von Hans G Helms' "Fa:m¹ Ahniesgwow" (20.2.10)

Von: DEGEM / Andre Bartetzki

Von: Harald Muenz
Datum: Sat, 20 Feb 2010 10:24:03 +0100

sprechbohrer
phonetisch-musikalisches SprachKunstTrio
Sigrid Sachse • Harald Muenz • Georg Sachse
http://www.sprechbohrer.de
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Gesprächsgäste:
Hans G Helms, Berlin
Gottfried Michael Koenig, Buren
Stefan Fricke, Frankfurt/M, Berlin

Erste integrale Gesamtrealisation von Hans G Helms: Fa:m’ Ahniesgwow

Samstag 20. Februar, 18:30 Uhr
Alte Feuerwache Köln
Melchiorstraße 3
50670 Köln

Eintritt 10/5 €

BITTE BEACHTEN SIE, daß das Helms'sche Werk aufgrund seiner Länge AUF DREI
PROGRAMMBLÖCKE VERTEILT ist,
die um 18.30, 20.00 UND 21.30 beginnen! (Im Gegensatz zu einer
anderslautenden, falschen Vorankündigung!)

18.30 UHR

Hans G Helms (*1932)  Struktur I aus Fa:m’ Ahniesgwow (1959)
Ausarbeitung: sprechbohrer 2006              12‘

Gottfried Michael Koenig (*1926) Essay (1957/58)   8‘

Hans G Helms   Struktur II aus Fa:m’ Ahniesgwow
Ausarbeitung: sprechbohrer 2008              17‘

Karlheinz Stockhausen (1928-2007) Klavierstück V (1954)     6‘
Klavier und Ausarbeitung: Sigrid Sachse

20.00 UHR

Round Table zu Fa:m' Ahniesgwow  
mit Hans G Helms, Gottfried Michael Koenig, Stefan Fricke und Harald Muenz

Franco Evangelisti (1926-80) Incontri di fasce sonore (1956/57)       4‘

Hans G Helms   Struktur III aus Fa:m’ Ahniesgwow
Ausarbeitung: sprechbohrer 2009              32‘

John Cage (1912-92)  Solo for piano (1957-58)       5‘
Klavier: Sigrid Sachse

21.30 UHR

Hans G Helms   Struktur IV aus Fa:m’ Ahniesgwow
Ausarbeitung: sprechbohrer 2004            12‘

György Ligeti (1923-2006) Artikulation (1958)        4‘

Hans G Helms   Struktur V aus Fa:m’ Ahniesgwow
Ausarbeitung: sprechbohrer 2007    15‘

Hintergrund
Bei Hans G Helms‘ Fa:m‘ Ahniesgwow (1959) handelt es sich um ein legendär
gewordenes Buch, das sich im Grenzbereich zwischen Literatur und
musikalischer Komposition bewegt. Der multilinguale Text, aus mehr als 30
Sprachen zusammengesetzt, steht in der Tradition von James Joyces Finnegan‘s
Wake und gibt Raum für mannigfaltige Assoziationen. Während der Arbeit an
diesem Werk stand Helms in intensivem Austausch mit der damaligen Kölner
Komponisten-, Literatur- und Kunstszene, u.a. auch bei Mary Bauermeisters
legendären Atelierveranstaltungen. Er frequentierte regelmäßig das
Elektronische Studio des WDR - damals ein wichtiger Kristallisationspunkt
der Kölner Komponisten - und war mit Karlheinz Stockhausen, Gottfried
Michael Koenig, Heinz-Klaus Metzger und Franco Evangelisti befreundet.
Ebenso wie Stockhausen stand auch Helms in Kontakt mit Werner Meyer-Eppler,
der als Wegbereiter der Elektronischen Musik angesehen werden kann. Bereits
1954 war Helms in Donaueschingen John Cage und David Tudor begegnet.

Am 16. Januar 1959 las der Autor erstmals in Jean-Pierre Wilhelms
Düsseldorfer „Galerie 22“ einige Passagen aus seinem Werk. Der Erstdruck
erschien im Kölner DuMont-Verlag. Werner Klüppelholz bescheinigt Fa:m
‘ Ahniesgwow „eine legendäre wie apokryphe Existenz: so häufig es zitiert
wird, wenn es um neue Vokalmusik geht, so wenig wurde es gelesen.“ (Die
Parameter der Sprache, 1979). Ebenso überfällig wie die Wiederauflage des
Buches ist daher die erste Veröffentlichung einer klingenden
Gesamteinspielung des Werkes.

Ansatz der sprechbohrer
Das SprachKunstTrio sprechbohrer (Sigrid Sachse, Harald Muenz, Georg Sachse)
gründete sich 2004, um gemeinsam aus musikalischer Perspektive an
Sprechkunst zu arbeiten. Alle drei Beteiligten hatten schon früher mit der -
längst ausstehenden - Gesamtrealisation des Helmsschen Opus geliebäugelt.
Am Anfang der Arbeit stand die klare Erkenntnis, daß man diesem
avantgardistischen Werk nicht mit den Mitteln einer traditionellen
Literaturlesung beikommen kann. das Buch lässt sich eben nicht „einfach so
ablesen“, wie man des von traditioneller Literatur erwartet. Das ist
einerseits seinen ungewöhnlichen Wort- und Satzstrukturen geschuldet, die in
der Tradition der Portmanteau-Technik wurzeln. Andererseits nähert sich die
räumlich-graphische Anordnung des Textes eher einer Partitur als
konventioneller Literatur an: Das erste Kapitel etwa ist in acht
übereinander liegenden Schichten notiert, deren Realisation aufwendig
eingerichtet und erarbeitet werden muß.
Die komplexe Struktur IV ist im Druckbild sowohl horizontal als auch
vertikal lesbar und sperrt sich damit einer einfachen 1 : 1 - Realisierung.
Nach Helms‘ eigenem Bekunden haben sich weder er selbst noch andere
Interpreten jemals an einer Umsetzung versucht. Der Erstling der
sprechbohrer war daher konsequenterweise die Einstudierung und Uraufführung
(!) dieses vielschichtigen Kapitels. Seiner ersten öffentlichen Aufführung
gingen arbeitsintensive, mehrmonatige Proben voraus.
Im Juni 2009 haben die sprechbohrer in den Studios des Hessischen Rundfunks
(Redaktion Neue Musik: Stefan Fricke) die erste Gesamteinspielung des
Stückes realisiert; die Ursendung fand am 30. August 2009 auf hr2-Kultur
statt. Die Veröffentlichung auf CD ist für das laufende Jahr geplant.

Die Triomitglieder der sprechbohrer sind sämtlich ausgewiesene Musiker.
Harald Muenz kann in die Fassungen der sprechbohrer seine Expertise als
Komponist mit ästhetischer Verortung in die Traditionslinie der
musikalischen Avantgarde einbringen. Georg Sachse ist vielseitig
professionell als Musiker und Sänger, Sprecher und Phonetiker tätig. Er
trägt seine linguistisch-phonetischen Erfahrungen in die Realisationen ein.
Seine Dissertation über phonetische Aspekte im Werk Steve Reichs entstand
bei Georg Heike, der seinerseits in den 50er Jahren ebenfalls zu dem oben
erwähnten kreativ-avantgardistischen Kölner Kreis gehörte. Sigrid Sachse ist
diplomierte Konzertpianistin und Kammermusikerin mit ebenfalls umfangreicher
Gesangserfahrung und steuert diese praktischen Komponenten zur Umsetzung
bei.

Helms hat die Gesamtaufnahme der sprechbohrer autorisiert. Die Produktion
wurde von der Kunststiftung NRW und dem Hessischen Rundfunk gefördert; die
Erstsendung der Rundfunkproduktion lief am 30.8.2009 auf hr2-Kultur. WERGO,
Mainz, plant die CD-Veröffentlichung dieser Aufnahme.
Das heutige Konzert in der Alten Feuerwache, Köln, wird die international
erste öffentliche Live-Gesamtaufführung von Helms‘ Werk sein.
Kombiniert wird dessen Darbietung mit einer Gesprächsrunde und Musik aus dem
künstlerischen Umfeld seiner Entstehung.

Wir freuen uns, daß der Autor Hans G Helms sein Kommen zugesagt hat.
Auch Gottfried Michael Koenig, der als Komponist das Nachwort zum Buch
verfaßte, ist als Gesprächsgast geladen seine Komposition "Essay" wird
erklingen.
Stefan Fricke, Helms-Biograph und Redakteur beim Hessischen Rundfunk, wird
in die Runde einführen und sie moderieren.
Weiter erklingen in Interpretationen durch die Pianistin Sigrid Sachse das
Klavierstück V von Karlheinz Stockhausen und "Solo for Piano" von John Cage,
der seinerzeit in einer spektakulären Kölner Performance von Nam-June Paik
shampooniert wurde, sowie die kurzen Werke "Artikulation" von György Ligeti
und "Incontri di fasce sonore" von Franco Evangelisti - alle drei
Komponisten arbeiteten damals im Elektronischen Studio des WDR -

Die Veranstaltung wird ermöglicht durch das "konzert des deutschen
musikrates / zeitgenössische musik".

sprechbohrer
phonetisch-musikalisches SprachKunstTrio
Sigrid Sachse • Harald Muenz • Georg Sachse
www.sprechbohrer.de
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