Degem - Deutsche Gesellschaft für elektroakustische Musik e.V.

[ 01. Juli 2009 ]

BERLIN - emhören am 2. Juli: DDR

From: Folkmar Hein
Date: July 1, 2009 12:16:45 PM GMT+02:00

liebe Interessenten dieser langjährigen Reihe,
am kommenden Donnerstag steht die EM in der DDR im Mittelpunkt. Dabei 
werden
zwei Schwerpunkte sichtbar:

das Studio des RFZ der Deutschen Post Adlershof, das ab 1970 inaktiv 
für EM
wurde (der damaliger Leiter Gerhard Steinke wird am Donnerstag einen
Überblick verschaffen; wir hören einen Ausschnitt aus "Zoologischer 
Garten"
von Rzewski)

das Studio der Akademie der Künste, welches erst ab Januar 1986 
arbeitsfähig
wurde; es war vor allem mit der Meisterklasse von Prof. Georg Katzer
verbunden. Aber es entstanden unter schwierigen Arbeitsbedingungen 
bereits
ab 1980 EM-Werke, etwa die "Studie 4" für Kontrabass und Tonband von 
Ralf
Hoyer, das morgen auch vorgestellt wird. Vermehrt konnten Produktionen 
erst
ab Ende 1986 realisiert werden; bis 1989 entstanden ca. 30 Bänder.
Wir hören noch aus der Spätzeit des Akademiestudios Luisenstraße:
Dialog imaginär 2 (Katzer), Cut (Glandien).

Interessant wird sein, dass neben Gerhard Steinke und Ralf Hoyer auch 
Georg
Katzer (künstlerischer Leiter des AdK-Studios), Lutz Glandien und der
damalige Organisator des AdK-Studios Manfred Machlitt anwesend sind - 
ich
erhoffe mir viele Informationen aus erster Hand und vor allem ein 
historisch
richtig gerücktes Bild über die EM-Produktion in der DDR unter zunächst
schwierigsten und dann immer liberaleren Bedingungen.

Hier noch ein Kurzüberblick, den ich einer email von Manfred Machlitt
entnehme:

Über die Entstehungsgeschichte des Studios kursieren sehr viele falsche
Angaben. Das Studio ist nicht 1980 gegründet worden. Da gab es 
allerdings
die erste Veranstaltung der Reihe "Kontakte" (elektronische Musik in
Verbindung mit anderen Künsten). Diskussionen über die Einrichtung eines
elektronischen Studios gab es an der Ost-Akademie seit den 60er 
Jahren, auch
in Verbindung mit dem RFZ-Studio von Gerhard Steinke. Steinke hielt in 
der
Akademie in dieser Zeit mehrere öffentliche Vorträge mit 
Musikbeispielen.
Nach der völligen Auflösung des RFZ-Studios (1969-71) gab es eine sich 
über
mehr als 15 Jahre hinschleppende Diskussion, ob und wo in der DDR ein 
Studio
gegründet werden sollte (Rundfunk, Kulturministerium, 
Komponistenverband,
Akademie, Theater im Palast, Leipzig oder Berlin etc.).
.... 1979 fasste die Sektion Musik der Akademie den offiziellen 
Beschluss,
sich um die Einrichtung eines Studios zu kümmern. Auch Konrad Wolf
unterstützte das. 1981 - 83 gab Georg Katzer monatlich 
"Trockenkurse" (es
gab kaum Geräte) zur elektroakustischen Musik. Das fand großen Anklang 
unter
den Meisterschülern, Studenten der Eisler-Hochschule und anderen
Interessierten. Dann wurde eine Konzeption zur Studio-Gründung 
erarbeitet
(auch Hoyer war beteilig), aber erst 1984/85 kam es zum Umbau von Räumen
unter dem Dach der Luisenstraße (ehemaliger Film-Vorführungsraum der
Volkskammer). Zunächst gab es nur ein altes Rundfunk-Mischpult, einen 
C 64,
Atari, ein paar Effektgeräte - und endlich eine Tascam 16-Spur-Maschine.
Etwa Ende 1985 waren wir arbeitsfähig, Zapf arbeitete da schon an seinem
Stück für Tonband und Posaune. Die offizielle Eröffnung (mit Sekt, 
Reden und
Anwesenheit des Akademie-Präsidenten Wekwerth) war am 4.7. 1986.
Ich habe diese Vorgeschichte ziemlich ausführlich im Heft 7/8 1989 der
"Mitteilungen" der Ost-Akademie beschrieben, ihr habt ja daraus 
Auszüge im
Inventionen-Programmheft 1990 (Seite 52) nachgedruckt.

(Anmerkung: das Inventionenheft 1990 wird am Do einsehbar sein!!).

Ich freue mich auf unsere Gäste
ich freue mich auf ein interessiertes Publikum am Do, 2. Juli um 18 Uhr,
EN-Gebäude Einsteinufer, Raum 324.

--
beste Grüße sendet
Folkmar Hein

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