Degem - Deutsche Gesellschaft für elektroakustische Musik e.V.

[ 03. Juli 2009 ]

GEMA - "GEMA-Petition" + GEMA Mitgliederversammlung

Von: "Johannes S. Sistermanns"
Datum: 3. Juli 2009 11:16:30 MESZ

Liebe Kollegen,
::::auch wenn das ein längerer Text ist, bitte kurz die Zeit nehmen 
und lesen, es betrifft uns alle und direkt::::::::
im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung fand die Neuwahl des 
Aufsichtsrats für die nächsten drei Jahre statt. Zu seinem neuen 
Vorsitzenden hat der Aufsichtsrat den Komponisten Jörg Evers gewählt, 
als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende wurden der Textdichter 
Frank Dostal und Karl-Heinz Klempnow für die Berufsgruppe Verleger 
wiedergewählt.
Die GEMA MV hat sich im wesentlichen und substantiell mal wieder, wie 
sehr oft, mit Schadensbegrenzung aus den eigenen Reihen herumgeschlagen.

Es war in der Schwebe, ob Lothar Voigtländer noch eine Ergänzung zu 
einer wesentlichen, bereits als Antrag eingebrachten, Änderung im 
Verteilungsplan mit Schwerpunkt EAM anregt. Dies hat er aber dann für 
dieses Jahr erst einmal unterlassen.
Grundsätzlich sind in München die Komponisten der U-Musik in der 
Überzahl, wesewegen manche Anträge im Bereich E-Musik dann eher in 
Berlin gestellt werden, da dort die E-Komponisten und Interessente 
eher vertreten sind.

Internet
Was das Internet betrifft, so wurde mehrfach angemahnt, längst 
laufende Marktstrategien nicht zu verschlafen und auf die 
Lizensierung gepsielter Musiken zu dränge, Verträge überhaupt erst 
auszhandeln, als eine Basis dafür.
Laut Dr. Heker, Vorstandsvoristzender der GEMA ist man kräftigst 
dabei, und gewinnt den ein oder anderen Rechtsstreit:
http://tinyurl.com/degem090703a

Im Online-Geschäft, so Dr. Harald Heker, führt die GEMA ihren Kampf 
gegen die Internet-Piraterie erfolgreich weiter. Erst vor zehn Tagen 
hat das Landgericht Hamburg der GEMA-Klage gegen Rapidshare 
stattgegeben. Auf Antrag der GEMA untersagte das Landgericht Hamburg 
dem Betreiber des Sharehosting-Dienstes „rapidshare.com“, ca. 5.000 
Musiktitel im Internet öffentlich zugänglich zu machen. Erstmals 
erging damit eine Entscheidung gegen einen Sharehoster mit einem Wert 
von 24 Mio. Euro.
Dr. Heker informierte die Mitglieder außerdem über den Stand im Falle 
des Internetportals YouTube, das vor einigen Wochen seine 
Verhandlungen mit der GEMA über einen neuen Lizenzvertrag abgebrochen 
und falsche Informationen an Journalisten gestreut hatte. Der GEMA 
ist es gelungen, in zahlreichen Pressegesprächen die Fakten richtig 
zu stellen. Das  Angebot der GEMA über 1 Cent pro Stream liegt 
YouTube vor. Die GEMA ist weiterhin gesprächsbereit, bleibt aber im 
Interesse ihrer Mitglieder bei ihren Kernforderungen. Dazu zählen 
eine angemessene Vergütung für die Urheber, klare Informationen über 
die genutzten Musikwerke und Angaben über die Anzahl der Streams.

Er sagte auch, das dies nicht Praxis werde könne, mit jedem 
Rechstbrecher eigens vor Gericht zu ziehen. Es wird eine euroopäische 
Gesamtlösung über die Politik angestrebt. Hans-Joachim Otto, MdB, 
Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen 
Bundestages, sprach sehr klar und deutlich und begrüßte die 
Informationspolitik seit wenigen Jahren nach draßen und zur Politik 
seitens der GEMA. Er selbst wird sich für die Interessen der GEMA auf 
höchste politischen Ebene einsetzen wollen. „ Wir brauchen einen 
europäischen Rechtsrahmen für die Tätigkeit der 
Verwertungsgesellschaften und ein europäisches Wahrnehmungsrecht aus 
einem Guss“. Langer Beifall aller.

Es ist aber jetzt der Moment, einmal etwas grundsätzlicher auf die 
GEMA/Komponisten-Situation einzugehen, damit man bis hin zur Petition 
Zusammenhänge darstellt und erkennt, was u.a. Auch dahinter steckt.
http://tinyurl.com/degem090703b

Nehmen wir mal an, wir bezeichnen die GEMA als einen Focus, der 
Urheberrechte geltend macht in Form von Eintreibung/Geltenmachung von 
Tantiemen und auf der anderen Seite der Veitlung, sprich Ausschüttung.
Es gibt nun Kollegen im Komponisten- und Verlegerkreis von U + E, die 
sogenannte ‘Geschäftsmodelle’ entwickeln, mit dem Ziel, möglichst 
viel Geld aus diesem großen GEMA-Geldtopf abzufahren. Hierzu scheinen 
Sie mit dem Verteilungsplan zu komponieren und aufzuführen. Sie 
melden Konzerte an, die so nie stattgefunden haben, oder, finden ein 
pfiffiges Schlupfloch in der GEMA-Verteilungsstatuten. Sind damit 
nicht illegal, aber nutzen die Solidargemeinschaft nach eigenem 
Einfallsreichtung kräftig aus.
Beispiele: Konzerte um 9, 10,11,12,13,14,15,16, Uhr, gleiches 
Programm, gleicher Aufführer, das soll wohl bei Organisten schon mal 
so vorkommen. Oder es werden Konzerte angemeldet, von denen es z. B. 
in Kneipen nie Programme gibt und gab, die behauptet werden. Wenn die 
GEMA reklamiert, Nachweise zu bringen in Form von Honorare, Verträge, 
Ankündigungszettel, dann gibt es dies alles schon nicht mehr. 
Konzerte in Kirchen, die keinen Eintritt kosten, häufig stattgefunden 
haben sollen, werden zur Abrechnung angemeledet. Bis hin zu Konzerten 
vor Taubstummen soll es gegeben haben. Zudem meint dieses Pro-
Verfahren, dass man pro Auführung in einer Bezirksdirektion in 
Deutschland und pro Monat noch einen Extra Punkt als Wertung bekommt. 
Und kann so auf 144 zusätzliche Wertungspunkt kommen, 12 Monate in 12 
Bezirksdirektionen. Nun gibt es so pfiffige, die spielen im 
sogenannten berüchtigten ‘Leverkusener Kreuz’,  wo sich bis vor 
einige Zeit 3 Bezirksdirektionenberührten, an einem Tag gleich 
dreimal in jeweils einer dieser Bezirksdirektion, macht 3 Punkte 
extra. Es gibt laut Aufsichtsrat der GEMA Kollegen, die in der U-
Musik Wertung ab 60.000 bis weit über 100.000 Euro Wertung erreichen. 
Dies ist Geld, was nicht rechtmäßig eingefahren worden ist und der 
Solidargemeinschaft schadet.

Die GEMA bezeichnet dieses als ‘aufkommensstarkes Repertoire ohne 
öffentliche Resonanz’. Von der Gesamtausschüttung in der Sparte 
U=43,3 Mio. € beträgt dies 4,9 Mio € gleich 11,3%, in der Spart E 
Gesamtausschüttung 7,1 Mio € beträgt dies 1,15 Mio €, 16.2%.

Es entbrannte sehr offen die vehemente Diskussion unter uns Kollegen 
und im Auditorium über die sogenannten Geschäftsmodelle, die dermaßen 
gut bei allen Abstimmung aufgestellt, im Raum sind, und nicht in der 
Cafeteria gerade, dass sie fast alle Anträge zu dieser 
Schadensbegrenzung abschmettern können. Es sind immer die gleichen 
ca. 80 Stimmen der ca. 280 anwesenden Komponisten, die eine 2/3 
Mehrheite verhindern, damit eine Änderung im Verteilungsplan durchkommt.
Aber, man hat jetzt doch zum Ende der Veranstaltung einen wichtigen 
neuen Verteilungsmodus dieses Pro-Verfahrens durchbekommen, mit dem 
zu vermuten steht, einige Geschäftsmodelle in ihrer absichtsvollen 
Gelderwerbung damit durchqueren zu können.

Deshalb ist es immer wichtig, dass jedes ordentliche Mitglied zu 
einer GEMA MV kommt, hat man doch erst bei diesem Status eine eigenen 
Stimme.

Und, bezogen auf die kursierende Petition gibt es ja auch das 
Interesse, die angeblich durch die zu hohen Auführungslizenzen für 
Veranstalter möglicherweise nicht mehr stattfindenden Konzerte auch 
nach ihren ‘Geschäftsmodellen’ nicht mehr machen und damit nicht mehr 
abrechnen zu können. Anders gesagt, diese angeblich betroffenen 
Musiker/Verlage/Labels wollen um alles in der Welt noch ganz viele 
Kleinveranstaltungen machen können, damit sie weiterhin so abrechnen 
können. Denn wenn Sturm gelaufen wird gegen eine zu starke Erhöhung, 
setzt sich in der Öffentlichkeit der Aspekt durch, die GEMA ist zu 
teuer, so ein Konzert machen wir erstgar nicht mehr. D.h., es würde 
diesem ‘aufkommensstarken Repertoire ohne öffentliche Resonanz’ etwas 
der Boden unter den Füßen entzogen.
Nachzulesen auf seite 48ff des GEMA Geschäftsberichtes:
http://www.gema.de/  dowloadbar!
http://tinyurl.com/degem090703c

Und, Lothar Voigtländer hat wirklcih recht, wenn er sagt, jetzt sind 
die Komponisten und Musikautoren an der Reihe, die eigenen Interessen 
(GEMA) zu formulieren, stärken, in Diskussionen einzubringen. Denn, 
zahlen you tube u.ä. Keine Lizenzen mehr, dann nutzen sie die Musik, 
die Klänge in Videos etc. nicht nur schlicht um sie zu präsentieren, 
sondern, ihnen dienen diese Filme dazu, Sponsoren für Ihre Site, für 
die Kosten ihrer eigenen Administration etc. zu verlangen, und auch 
Gewinne hierüber zu machen, die dann aber alleine in ihre eigenen 
Tasche wandern, ohne die geistigen Urheber daran partizipieren zu 
lassen. Und das ist auch eine der tatsächlichen Dimensionen der 
geführten Verhandlungen und öffentlichen Auseinandersetzungen.

Best
Johannes





Von: Harald Muenz
Datum: 2. Juli 2009 16:21:33 MESZ
Betreff: "GEMA-Petition" bloße Stimmungsmache?

Fakten zur GEMA-Petition an den Deutschen Bundestag von Lothar
Voigtländer

- BITTE WEITERLEITEN !

Damit scheint diese GEMA-Petition einmal mehr bloß die übliche
Klischee-Stimmungsmache gegen die "böse GEMA" zu sein, nach dem Motto
"Die Komponisten machen es doch auch umsonst." Eine öffentliche
kritische Auseinandersetzung mit ihr - aber anhand der Fakten - wäre
statt dessen eher überfällig, vgl. z. B. Helms, Hans G: Musik
zwischen Geschäft und Unwahrheit. München: edition text + kritik 2001
LG
Harald

---

Anfang der weitergeleiteten E-Mail von Lothar Voigtländer:
Liebe Freunde und Kollegen !

Anbei eine Faktenauflistung, die Ihr gern öffentlich benutzen und
zitieren könnt. Es wird höchste Zeit, dass wir (die Komponisten und
Musikautoren) uns wehren!! Die Zahlen stammen von der GEMA-Verwaltung
und sind somit de facto belegbar.
Mit herzlichen Sommer-grüßen und guten Wünschen - Euer LV

Fakten zu den Fehlinformationen in Sachen "Petition GEMA":
(Lothar Voigtländer, 2.Juli 2009)

Wer ist betroffen ?
Von der Erhöhung sind nur professionelle Konzertveranstalter
(Tourneeunternehmen, Gastspielunternehmen, Großhallenbetriebe) von
Unterhaltungsmusikkonzerten betroffen.

Wer ist nicht betroffen ?
Nicht betroffen sind alle anderen Veranstalter, auch die genannten
Jazzclubs.

Was bedeutet das für die live-Musiker, die ihr Geld mit ihrer eigenen
Musik verdienen?
Was bedeutet das für "größere Bands" ?/ für die E- Musik /
Für nicht professionelle Konzerveranstalter der Unterhaltungsmusik
ändert sich nichts. Es bleibt bei den Vergütungssätzen U-VK. Im
Bereich der ernsten Musik ergibt sich überhaupt keine Änderung,
unabhängig von der Art des Veranstalters. Die Vergütungssätze E
gelten unverändert fort.

Wieviel wurde bisher  von den "Großveranstaltern" der
Konzertwirtschaft, die ihr Geld mit der Vermarktung populärer Musik
machen, gezahlt ?
Je nach Größenstufe betrugen die Prozentsätze für die Vergütung
bisher (bis zum 31.1.2009) 1,872% der Kartenumsätze, bei bis zu
3.000 Personen, 1,498 % bei mehr als 3.000 und bis zu 15.000 Personen
und 3,584 % bei über 15.000 Personen. Die Angaben beziehen sich auf
die in der Praxis vorkommenden Varianten, enthalten also die
üblicherweise eingeräumten Nachlässe einschließlich des
Gesamtvertragsnachlasses.

Die angeführte Erhöhung der GEMA-Tarife um 600% ist also eine
gezielte Falschmeldung der "Großen der Konzertveranstalter", die die
Veranstalter vor Ort, die Künstler und live-Musiker gegen die GEMA
aufbringen soll.

Wie sind die wirklichen Zahlen der geplanten Tariferhöhung?
Die Vergütungen betragen nach dem neuen Tarif U-K in 2009 1,92% der
Umsätze bei bis zu 15.000 Personen, bei über 15.000 Personen betragen
sie 4,0%. Schließlich wird im Jahre 2014 eine einheitliche Vergütung
von 8% erreicht. Der 20%ige Gesamtvertragsnachlass ist dabei
berücksichtigt.
Damit liegen wir im europäischen Vergleich dann (2014 !) in etwa mit
anderen Ländern gleichauf.

Fazit:
Es ist gerecht, dass Veranstalter, die ihr Geld mit der Vermarktung
von Musik machen, auch einen angemessenen Prozentsatz an die
„Kreativen“, die Macher von Musik zurückführen. Sonst gäbe es eines
Tages keine Musik mehr, weil die Vermarktungsmodelle die
ursprünglichen Musikautoren in die Armut getrieben hätten.
(Siehe auch Forderungen an die Internet-Plattformen, deren
Geschäftsmodelle auf dem Vertrieb durch Musik beruhen).

Nur , wenn die "Großen" des Geschäfts etwas von ihrem Profit abgeben,
kann es auch den „Kleinveranstaltern“ gut gehen!!!!
(siehe unten: Ausschnitt Presseerklärung )

Unverständlich bleibt, warum sich die Kreativen selbst vor die
politischen Ziele der Großveranstalter stellen, wo sie doch in den
seltensten Fällen von deren Gewinn-Margen profitieren.

"Den Bedürfnissen der Kleinveranstalter kommt die GEMA durch eine
Vielzahl von Spezialtarifen und Sondernachlässen auf vielen Ebenen
bereits nach. Um für noch mehr Transparenz zu sorgen, wurden die
unterschiedlichen Nachlässe zusammengefasst und veröffentlicht und
sind auch unter www.gema.de online für jeden Veranstalter abrufbar.
Besonders im Nachwuchsbereich hat die GEMA im Frühjahr 2009 ihr
mehrstufiges Konzept zur Nachwuchsförderung offiziell vorgestellt."
(aus der Presseerklärung der GEMA vom 22.06.09)

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