DEGEM Journal

Das DEGEM Journal ist ein deutschsprachiges Internetmagazin zur elektroakustischen Musik und Klangkunst, das die DEGEM News oder DEGEM Discuss um redaktionell erstellte Texte im Sinne der früheren DEGEM Mitteilungen ergänzen soll.

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[ 26. November 2018 ]

Die Ausstellung „mexhibition“ im Künstlerhaus Dortmund, 13.10.-18.11. 2018

Die DEGEM hat die Austellung „mexhibition“ im Künstlerhaus Dortmund gefördert. Die Austellung lief von 13.10.-18.11.2018. Achim Zepezauer hat dafür ein Bericht erstellt:

Der Verein mex e.V. wurde 1992 in Dortmund gegründet. Der Verein hatte sich unter der Leitung des damaligen Geschäftsführers Jens Brand zur Aufgabe gemacht, experimentelle und intermediale Musikprojekte von nationalen und internationalen Künstern zu fördern und Konzerte zu organisieren. Ab 2006 übernahm Maija Julius die Organisation des Vereins. Unter ihrer Leitung wurden auch Ausstellungen mit einbezogen. Seit 2015 ist Achim Zepezauer Geschäftsführer des mex e.V.. Neben den bewährten Konzerten und Performances, die in unregelmäßigen Abständen im Künstlerhaus stattfinden, hat er auch eine Reihe von Workshops initiiert, die unterschiedliche Künstler*Innen durchführten. Die Ausstellung „mexhibition“ wurde anlässlich des 25.sten Jubiläums des Vereins organisiert. Dabei war es Achim Zepezauer als Kurator wichtig, einerseits Künstler und die ehemaligen Leiter mit Exponaten einzuladen, die seit Jahren eine enge Verbindung zu dem Verein haben, aber andererseits auch Kunstschaffende zu berücksichtigen, die erstmalig bei mex e.V. zu sehen/hören waren.

Foto: Jens Sundheim

Zu erleben waren insgesamt zwölf Exponate von Jens Brand, Rolf Julius, Kallabris, Bart Maris, Tintin Patrone, Hans Polterauer, Claudia Robles-Angel, Anna Schimkat und den RaumZeitPiraten. Ausgangspunkt war allerdings der Sonic Chair, einem Klangmöbel mit eingebauten Lautsprechern, der zuvor von Georg Dietzler in Köln ausgestellt wurde, dann von Till Kniola und noch von Erhard Hirt in Münster. Dort hatte Achim Zepezauer, der selbst als Musiker arbeitet, eine Aufnahme beigesteuert, die neben mittlerweile 15 Weiteren in dem Sessel zu hören sind.
Der neue Stellplatz für den Sonic Chair sollte im Künstlerhaus Dortmund sein, mit dem der mex e.V. von Anfang an kooperiert und in dem die Konzerte des Vereins stattfinden. Dadurch ergab sich die Anfrage des Künstlerhauses, ob daraus nicht eine ganze Ausstellung entstehen könne. Achim Zepezauer hat darauf einige Monate an einem Konzept gefeilt, welches dann ab dem 13. Oktober bis zum 18. November ausgestellt wurde.

Foto: Jens Sundheim

Wichtig war ihm die Beteiligung seiner Vorgänger Jens Brand und Maija Julius an der Ausstellung. Dadurch konnten Brands „GPlayer“, der Satellitendaten anhand der Topographie unserer Erde abliest und diese gemäß einer Schallplattennadel in Klänge verwandelt und die Arbeit „Lullaby for the Fishes“ von Julius Vater Rolf gezeigt werden. Julius Arbeit besteht aus einem besprühten und an seiner Verkabelung aufgehängten Lautsprecher, über den eine seiner charakteristischen Aufnahmen zu hören ist. Besondere Aufmerksamkeit erweckte die großformatige Installation „Loops“ von dem Belgischen Trompeter Bart Maris, mit dem Zepezauer zuvor in einem anderen Projekt kooperierte. Maris hatte 23 Tonbandmaschinen mit Tonbandloops bis zu 20 Metern Länge versorgt und ließ diese Bänder mit Umlenkungen aufwendig durch den großen Saal laufen. Angestrahlt von zwei Diaprojektoren ergab sich daraus an der hinteren Wand gleichzeitig ein eindrucksvolles Schattenspiel.

Foto: Jens_Sundheim

Im Foyer des Künstlerhauses begrüßte allerdings zuerst die farbenfrohe 3D-Videoinstallation von Tintin Patrone aus Hamburg die Besucher. Basierend auf dem Entwurf einer Performance von Walter de Maria, die nie realisiert wurde, sah man hier Dinge aus einem Loch empor steigen, begleitet von einem Soundtrack über Kopfhörer.
In einem anderen Raum gaben sich Anna Schimkat und Michael Anacker aka Kallabris die Hand. Zur Linken ganz flach am Boden verteilten sich die 34 einfachen Lautsprecher aus Joghurtdeckeln, Kaffeefilter, dünnem Kupferdraht und Magneten gebaut, die in langen Schleifen vorproduzierte Aufnahmen von kleinen Chips wiedergaben und die wie Schirmchen aussehenden Speaker zum leichten Zappeln brachten. Gegenüber war die Installation von Anna Schimkat mit vier Gerüststangen, die zwischen Boden und Decke geklemmt waren, an denen weiter oben jeweils ein Ampellautsprecher befestigt war und in der Mitte sich ein roter Knopf befand. Die originalen Ampellautsprecher klackern wie gewohnt, sind allerdings von Anna Schimkat modifiziert. Das Klackern reagiert auf die Lautstärke in der Umgebung und wird bei Nebengeräuschen lauter oder leiser. Beim Drücken der Knöpfe gab jede Ampel einen anderen stehenden Sinuston von sich, so daß alle vier zusammen gedrückt einen surrenden Akkord ergaben. Nach zwanzig Sekunden kehrten die Anlagen wieder zum Klackern zurück und nahmen stets einen leicht veränderten Rhythmus auf.

Foto: Jens Sundheim

Die drei kinetischen Arbeiten von dem österreichischen Künstler Hans Polterauer sorgten immer wieder für Schmunzeln bei den Besuchern der Ausstellung. „Haarausfall“ ist eine sich drehende Bürste mit langen Drähten, die mit der Schwerkraft immer wieder hin und her fallen. Die „Ameisenkönigin“ ist eine weiße Fläche, unter der sich ein paar Magneten im Kreis drehen, die wiederum kleine Metallhäkchen auf der Fläche in Bewegung versetzen. Die Materialien verursachen ein angenehmes Krabbelgeräusch. Die dritte Arbeit trägt den Titel „Beziehungskrise“ und besteht aus zwei Magneten. Einer der Beiden ist unten fest auf einer Drehscheibe arretiert, während ein Zweiter von oben an einem Band herabhängt. Der untere Magnet dreht sich und transportiert den Oberen mit, wodurch sich der Faden aufdreht und sich seine Länge verkürzt. Ist der Faden weit genug aufgedreht, entfernen die Magneten sich voneinander bis sie den Kontakt verlieren und das Band sich wieder abwickeln kann, so daß das Spiel von vorne beginnt.
Im mex-Keller, in dem der mex e.V. seine Konzerte veranstaltet war die audiovisuelle vier-Kanal Installation „Skin“ von Claudia Robles-Angel eingerichtet, die durch ein sogenanntes GSR (Galvanic Skin Response) Interface, die Feuchtigkeit der Haut misst. So konnten die Besucher durch das Auflegen von zwei Fingern Klang und Bild generieren, die je nach psychologischer oder physischer Erregung variierten.
Die Installation der RaumZeitPiraten war eine automatische Band mit Akkordeon, Gitarre und Zither, die sich, mit vielen Lichtsensoren und Lämpchen versehen, gegenseitig beeinflußten und automatisch zum Klingen brachten. Gleichzeitig entstanden durch die blinkende Beleuchtung wechselnde Schattspiele an den Wänden.
Im Rahmenprogramm der Ausstellung fand ein Circuit-bending-Workshop von Tasos Stamou statt, der eigens aus London dafür angereist kam. Zur Finissage spielte Bart Maris einen Nachmittag ein Duo mit Trompete und seinen Bandmaschinen. Und zwei Konzertabende im mex-Keller brachten internationale Gäste auf die Bühne: Rees Archibald (AU) / Phillip Schulze (DE) / Kota Yamauchi & Riona Inoue (JP) / Janneke van der Putten (NL) / Anna Schimkat (DE) / Chrs Galarreta (PE)

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