[ 28. Februar 2013 ]

GRAZ – Klanginstallation „Sliding“ bei RONDO @ ORF (01.03.-18.03.)

Von: Hanns Holger Rutz
Betreff: GRAZ – Klanginstallation „Sliding“ bei RONDO @ ORF (01.03.-18.03.)
Datum: 28. Februar 2013 12:29:18 MEZ

Einladung zur Ausstellung

Ich zeige eine neue Klangarbeit im Rahmen der von Peter Wolf kuratierten Ausstellung RONDO @ ORF, innerhalb derer sich verschiedene Künstler des RONDO Atelier Residenceprogramms in den Räumlichkeiten des österreichischen Rundfunks zeigen. Der Programmtext zu meiner Installation ist unten angefügt.

Eröffnung: Donnerstag 28. Februar 2013, 19:30 Uhr
Ausstellung: 01.03.–18.03., täglich 9 bis 18 Uhr

Ort: ORF Landesstudio, Marburgerstraße 20, 8042 Graz

Mit freundlicher Unterstützung des ORF, der Kultur Service Gesellschaft Steiermark und des Institut für Elektronische Musik und Akustik IEM.

Link: http://www.kulturservice.steiermark.at/cms/beitrag/11832048/4467602/_1

Der von Gustav Peichl entworfene Bau des ORF Landesstudios Steiermark strahlt beim ersten Kontakt eine eigenartige Atmosphäre aus. Es ist ein betriebsamer Ort, bereits am frühen morgen ist der Parkplatz gefüllt. Das „funktionale“ metallische Gebäude hat eine nautische Qualität, Rohre und abgerundete Fenster erinnern an Schiffe oder Eisenbahnen, die zentrische Form mit der Galerie und der Kuppel in der Mitte und die eher kompakten Ausmaße fügen noch eine Nuance von Raum-Schiff hinzu. Will man das Gebäude betreten, passiert man erst eine durch zwei automatische Schiebetüren abgetrennte Schleuse mit Pförtnerloge. Man kann den Himmel durch zwei rund ausgeschnittene milchige Oberlichter erkennen. An diesem Zwischenort habe ich eine Klangintervention eingefügt.

Die Installation „Sliding“ knüpft an zwei Kopfhörer Arbeiten „Zelle 148“ (2006) und „unvorhergesehen-real-farblos“ (2012) an, indem es um die Überlagerung von zwei Atmosphären geht, bei dem die Eingriffe in die Klänge auf ein absolutes Minimum reduziert sind. In der „Zelle 148“ gab es eine Transition von der unmittelbaren Akustik der Zelle des Erfurter Stasi-Gefängnisses in den offenen Klang des Ettersberger Waldes. In „unvorhergesehen-real-farblos“, das im Rahmen meiner Residence im RONDO-Atelier entstanden ist, scheint es vordergründig um eine Erzählstimme zu gehen; diese jedoch fungiert mehr als subtile rhythmische Struktur denn semantische Aufladung und changiert mit den langen Pausen, in denen die akustische Perspektive vom Fenster meines Ateliers auf die Grazer Innenstadt durchscheint. Es geht um die Farblosigkeit, die dünne und durchlässige Membran, die Vorder- von Hintergrund trennt, und um die Verweigerung einer artistischen Klanggestaltung.

In „Sliding“ wird der Außenklang des ORF Zentrums, das in relativ freiem Feld bereits den Anschein erweckt, hier ende die Grazer Urbanität, mit der Betriebsamkeit im inneren des Gebäudes kontrastiert, dem „business as usual“, innerhalb dessen die Radiomacher eben „Radio machen“ wie andere Brötchen backen. Gedämpfte Popmusikklänge im Hintergrund, piepsende und klingelnde Mobiltelephone und Staubsauger vermischen sich mit dem omnipräsenten Trapp-Trapp der Schuhe, die unaufhörlich im Gebäude auf und abgehen und wie die Innenarchitektur auch eine „grün-metallische“ Erscheinung haben. Eine mechanische Uhr setzt aufdringlich ihr Zeitzeichen hinzu.

Die „Schleuse“ ist zu einer akustischen Schleuse erweitert, in der sich die zwei sogenannten Realitäten hauchdünn überdecken. In einem beständigen Rhythmus reißen die Klänge abrupt ab, bevor sie zu beschaulich werden, und werfen den Hörer immer wieder zurück in seine Ausgangslage.

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