[ 8. Oktober 2026 ]

DEGEM News – BERLIN – Newsletter Unerhörte Musik | 2026 | Nr. 17

Von: Unerhoerte Musik
Datum: Thu, 8 Oct 2026
Betreff: Newsletter Unerhörte Musik | 2026 | Nr. 17

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NEWSLETTER 2026 | Nr. 17
13. und 20. Oktober


„Zu viele Musikstücke enden zu lange nach ihrem Ende.“
(Igor Strawinsky)

Liebe Interessierte,

ein Akkordeonduo (noch immer Instrument des Jahres 2026!) am kommenden Dienstag
und
ein Schlagzeugduo darauffolgenden Dienstag erwarten uns in den kommenden beiden Konzerten.

Das Akkordeonduo con:trust mit Marius Staible und Daniel Roth, bereits zum zweiten Mal in der „Unerhörten Musik“ zu Gast, spielt am

Dienstag, 13. Oktober sein aktuelles Programm

Yet to Come

„Lasst uns den Blick auf die Musik richten, die noch nicht existiert.
Während dieser Text entstand, wurden große Teile des Konzertprogramms erst komponiert. Diese Werke werden im Oktober in New York uraufgeführt und erklingen anschließend in Berlin erstmals in Deutschland.
Damit beschäftigt sich dieser Abend mit etwas, das sich einer genauen Beschreibung entzieht: der Zukunft.

Die Werke zweier Komponistinnen bilden hierbei den Rahmen des Programms: „Was, is, is to come“ von Euna Joh bewegt sich zwischen Vergangenheit, Gegenwart und dem, was noch kommen wird,

Pauline Oliveros’ „Sonic Meditations“ wiederum entstehen in jeder Aufführung neu und reagieren auf die Menschen, den Raum und den Moment.

Weiterhin auf dem Programm stehen Stücke von Pauline Oliveros, Wong Foo Jeng DE, Thomas Palmer DE, Euna Joh, Rainer Rubbert, Ishay Brokshtein DE, Turkar Gasimzada DE, Eli Greenhoe DE und Reiko Füting DE

Die Werke dieses Programms verbindet ihre Offenheit. Für uns sind sie musikalische Möglichkeiten. Sie laden dazu ein, dem Ungewissen zuzuhören und Klängen zu begegnen, die erst im Augenblick ihrer Aufführung vollständig werden.
Was uns erwartet, wissen wir noch nicht.
Genau darin liegt ihr Reiz.“

… und wie immer zusätzlich als Livestream:
https://youtube.com/live/J29YSXsFmEU

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Das Schlagzeug-/Performerduo Amoeba mit Alejandro Sarriegui & Moritz Koch präsentiert unter dem Verwirrtitel

Wer Ohren hat, der sehe.
Wer Augen hat, der höre.

am Dienstag, 20. Oktober Werke von Carola Bauckholt, Manos Tsangais, Yiran Zaho, Rebecca Saunders und Georges Aperghis.

„Dieses Konzert des Duo Amoeba bewegt sich an der narrativen Schnittstelle zwischen Musik und Szene, wo der Klang zum Bild wird und die Geste sich in musikalischen Diskurs verwandelt.

Das Programm lädt das Publikum zu einer erweiterten sensorischen Erfahrung ein, bei der Hören und Sehen aufhören, getrennte Handlungen zu sein, und sich zu einem einzigen künstlerischen Ereignis verbinden.“

… und wie immer zusätzlich als Livestream:
https://youtube.com/live/GZhqJv4qWoI

 

 

Dienstag, 13. Oktober 2026 | 20:00 Uhr


Yet to Come

LIVE-STREAM:  https://youtube.com/live/J29YSXsFmEU

Akkordeonduo con:trust

Marius Staible & Daniel Roth

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Yet to Come

 

Pauline Oliveros

Sonic Meditations (1971)
VIII. Environmental Dialogue
Sonic Meditations sind für die Gruppenarbeit über einen längeren Zeitraum mit regelmäßigen Treffen gedacht. Es sind keine besonderen Fähigkeiten erforderlich. Jede Person, die bereit ist, sich darauf einzulassen, kann teilnehmen. Die Sammlung besteht aus 25 kurzen Sätzen, die in ihrer Länge variieren können. Die Besetzung ist frei wählbar. Jede Person sucht sich einen Platz, entweder in der Nähe der anderen oder entfernt von ihnen, entweder drinnen oder draußen. Beginne die Meditation, indem du deinen eigenen Atem beobachtest. Während du dir der Klänge aus der Umgebung bewusst wirst, beginne allmählich, die Tonhöhe der Klangquelle zu verstärken. Verstärke sie entweder stimmlich, gedanklich oder mit einem Instrument. Wenn du den Kontakt zu einer Klangquelle verlierst, warte ruhig auf eine neue. Verstärken bedeutet, etwas zu kräftigen oder aufrechtzuerhalten. Liegt die Tonhöhe der Klangquelle außerhalb deines Stimm- oder Spielbereichs, verstärke sie gedanklich.

Pauline Oliveros war eine einflussreiche US-amerikanische Komponistin, Akkordeonistin und Pionierin der elektronischen Musik, deren künstlerisches Schaffen sich durch experimentelle Ansätze in Improvisation, Klangforschung und meditativer Praxis auszeichnete. Sie entwickelte das Konzept des „Deep Listening“, das Zuhören als bewusste, ganzheitliche und transformative Erfahrung versteht und weit über das rein Musikalische hinausweist. Ihr Werk verbindet akustische Wahrnehmung, räumliches Hören und kollektive Achtsamkeit zu einer eigenständigen künstlerischen Praxis. Als Mitbegründerin des San Francisco Tape Music Center in den 1960er-Jahren sowie durch ihre umfangreiche Lehrtätigkeit prägte sie die Entwicklung der zeitgenössischen Musik nachhaltig. Ihre Kompositionen wurden international aufgeführt und beeinflussten Generationen von Musikerinnen und Klangkünstlern. Oliveros lehrte unter anderem an der University of California, San Diego, und gründete später das Deep Listening Institute, mit dem sie ihre künstlerischen und pädagogischen Ansätze weiterentwickelte und weltweit vermittelte.

 

Wong Foo Jeng

Sculpture (2026) DE

Während eines Besuchs im Noguchi Museum stellte ich mir die Frage, ob es eine grundlegende Verbindung zwischen Skulptur und Musik gibt. Wie kommt es, dass diese beiden Praktiken unter dem gemeinsamen Begriff „Kunst“ zusammengefasst werden? Ihre Materialien sind grundverschieden, und ihre räumlichen und zeitlichen Formen sind in unterschiedlichem Maße organisiert. Die grundlegende Verbindung liegt daher nicht in den Konstruktionen der jeweiligen Kunstform, sondern in der Funktion ihrer Werke. Bei der Betrachtung einer Skulptur erhält der Betrachter Zugang zu einer ästhetischen Erfahrung der Welt, die allein aufgrund der physischen Existenz der Skulptur entsteht. Auch Musik besitzt diese Eigenschaft. Die Organisation von Klängen, die sich über die Zeit entfalten, ist das Medium, durch das eine ästhetische Welt zum Klingen gebracht wird. Wenn man diesen Gedanken noch einen Schritt weiter in den musikalischen Bereich führt, wird das Instrument zu einem Medium für den Zugang zum Klang, während die Komposition selbst zu einem Instrument wird, das eine ästhetische Erfahrung kontextualisiert. Davon inspiriert, habe ich für das Stück Sculpture eine musikalische Welt geschaffen, in der das Material mit der physischen Form seines Klangs verbunden ist. Die von den Instrumenten gespielten Töne fungieren als mikroskopische Klangfiguren, die eine Makroform konstruieren – eine Bezugnahme auf James Tenneys Konzept der „Temporal Gestalt Perception“.

 

Wong Foo Jeng (geb. 1997, Malaysia) ist Komponist und Multiinstrumentalist. Seine Musik verbindet Elemente zeitgenössischer Komposition, Improvisation und elektroakustischer Musik. Er erhielt Aufträge von zeitgenössischen Musikensembles und Organisationen wie New Thread Quartet, Orchestra Q, New Chamber Ballet, Chaospace, Noise Catalogue, BeComEnsemble und Dice Trio. Seine Werke wurden außerdem von andPlay, dem Clark Art Institute, dem Concours International De Piano D’Orléans, der Asian American Arts Alliance, der Ilham Gallery, ArtsBasel, dem Yarn/Wire Institute und dem St Petersburg International New Music Festival präsentiert. Er ist Gewinner der El Paso Original Music/New Ideas Competition und war Finalist beim American Prize in Composition. Als Interpret trat er unter anderem bei National Sawdust, OPERA America, Mise-En Place, dem DiMenna Center, Scholes Street Studio, dem Kuala Lumpur Performing Arts Center, dem Time Is Art Festival und dem Borneo Jazz Festival auf. Außerdem ist er Gründungsmitglied des experimentellen NoiseDuos Translasi.

 

Ishay Brokshtein

The translator’s note (2026) DE
Die Idee der Übersetzung (Translation) ist auf mehreren Ebenen im Stück präsent. Die erste betrifft einen großen Teil meiner Arbeit. Manchmal habe ich beim Komponieren das Gefühl, dass ich etwas aus meiner Vorstellung übersetze, anstatt das Stück unmittelbar zu schreiben. Mein Zugang zum ursprünglichen Klangbild kann sich im Laufe der Zeit verändern und das Ergebnis verfälschen. Auch in der Beziehung zwischen den Akkordeonisten und zwischen ihren vier Händen findet eine Übersetzung statt. Es ist, als gäbe es vier Sprecher, die einander in ihre eigenen Rhythmen, Register, Dynamiken usw. übersetzen. Dasselbe musikalische Material kann unterschiedlich erscheinen, je nachdem, wer es „spricht“. Eine dritte Ebene der Übersetzung betrifft die Konstruktion des musikalischen Materials. Das Stück basiert vollständig auf sechs Clustern, die in zahlreichen Transpositionen erscheinen. Die Konstruktion dieser Cluster basiert auf dem Thema von Niccolò Paganinis 24 Capricci: Ein Ton der Melodie erscheint in jedem Cluster, und zwar in einer bestimmten Reihenfolge. Dies entsprang keinem besonderen Interesse an Paganinis Melodie selbst, sondern meiner Faszination für deren Geschichte der Übersetzung. Die Melodie wurde im Laufe der Musikgeschichte vielfach verwendet, unter anderem von Komponisten wie Liszt, Brahms, Rachmaninow und Lutosławski, die Variationen über dieses Thema schrieben. Im Gegensatz zu früheren Werken ist mein Stück selbst keine Übersetzung des Paganini-Themas. Die Melodie ist im Stück weder hörbar noch erkennbar. Stattdessen ist das Stück eine Anmerkung zur Idee der Übersetzung: eine Reflexion über den Prozess, durch den musikalisches Material von einem Werk, einer Sprache oder einem Kontext in einen anderen übergehen kann. Wie die Anmerkung eines literarischen Übersetzers reproduziert das Stück das Original nicht. Das Original ist abwesend; was bleibt, ist ein Kommentar zum Übersetzungsprozess – ein sekundäres Nebenprodukt, das das Original aus einer neuen Perspektive beleuchtet.

Ishay Brokshtein – Ich bin in Israel aufgewachsen und lebe heute in New York – zwei Orte, die mein Verständnis von Musik sowohl als Flucht vor der Realität als auch als Möglichkeit, sich mit ihr auseinanderzusetzen, geprägt haben. Derzeit promoviere ich im Fach Komposition an der Manhattan School of Music, wo ich bei Reiko Füting studiere. Mich interessiert die Schaffung musikalischer Räume, in denen das Physische und das Abstrakte, das Spielerische und das Beunruhigende gleichzeitig existieren können. Chaos und Stille sind zwei zentrale Begriffe meines musikalischen Denkens. Viele meiner Werke beginnen mit einem Interesse an Textur und Klangfarbe sowie an Klang als Bewegung und Farbe. Im Jahr 2023 begann ich, einen quantitativen Ansatz zur Analyse musikalischer Texturen zu entwickeln. Seitdem interessiert mich Klang zunehmend als dynamischer Prozess. Oft entwerfe ich diese Prozesse mithilfe präziser numerischer Systeme, lasse dabei aber Raum für Intuition. Ich fühle mich von Ideen und natürlichen Prozessen aus Mathematik, Physik, Biologie und Literatur angezogen und davon, wie sie – aus einer musikalischen Perspektive betrachtet – Bewegung, Farbe und Strukturen hervorbringen können.

Turkar Gasimzada

Interlude #2 for intonarumoris and cicadas: June (2026) DE
Das Stück wurde für das Akkordeonduo con:trust, für Marius und Daniel, komponiert.
Ma per me, Lasso – ein Madrigal von Luca Marenzio (1553–1599) – erklingt aus dem Backstage-Bereich, arrangiert und vorab aufgenommen von zwei Akkordeonisten.
Das Stück integriert außerdem die Shushtarund Humayun-Modi der aserbaidschanischen Mugham-Musik. Abgesehen von diesen Details kann das Stück als Intermezzo zu Musik für Intonarumori verstanden werden – sei es zu Russolos Musik oder zu Werken anderer Komponisten, die für diese Instrumente geschrieben wurden – und zwar sowohl im Rahmen eines klassischen Konzerts als auch in einem offenen Raum, in dem im Juni Zikaden zu hören sind.

Der ursprünglich aus Aserbaidschan stammende Turkar Gasimzada hat mit seiner Musik zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnen und war bei zahlreichen Festivals und Konferenzen für zeitgenössische Musik vertreten. Zu seinen jüngsten Aufführungsorten und Veranstaltungen gehören die International Computer Music Conference (Chile), das Saint-Petersburg New Music Festival (Russland), die Music Biennale Zagreb (Kroatien), die SCI National Online Conference (USA), das Bang on a Can Summer Festival (USA), das Örebro Contemporary Music Festival (Schweden), das Unerhörte Musik Festival (Deutschland), das Charlotte New Music Festival (USA) und das Etchings Festival (Frankreich). Zu seinen jüngsten Kooperationen und Auftragswerken gehören Projekte mit Klangforum Wien (Österreich), dem Moscow Contemporary Music Ensemble, dem ECCE Ensemble (USA/Frankreich), Ensemble Courage (Deutschland), dem Contemporary Music Ensemble der Boston University (USA), Ecoute Ensemble (Schweiz), Frontiers New Music Ensemble (Oklahoma, USA), CNM Ensemble (Iowa, USA), Noise-Bridge Duo (Stuttgart, Deutschland) sowie mit Allen Otte (Ohio), Avital Cohen (Schweiz), Erica Dicker (New York), Sergej Tchirkov (Russland) und Daniel Vaczi (Ungarn). Gasimzada promovierte im Fach Komposition an der University of Cincinnati, wo er bei Mara Helmuth und Michael Fiday studierte. Außerdem erwarb er einen Masterabschluss in Komposition an der Manhattan School of Music, wo er bei Reiko Füting studierte. Als engagierter Pädagoge unterrichtete er an Universitäten wie der American University of the Middle East (Kuwait), der University of Cincinnati (USA) und dem National Conservatory of Azerbaijan. Derzeit ist er zum Dekan der School of Arts an der Karabakh University berufen. Gasimzadas Partituren werden von Babel Scores veröffentlicht

Eli Greenhoe

For Alvin Lucier (2026) DE
Wann beginnt der Moment, wo wir nicht mehr das Gewohnte hören, sondern etwas komplett neues? for Alvin Lucier ist mit der Absicht geschrieben, zwei Akkordeons miteinander und mit dem Nachhall des Raumes, in dem sie gespielt werden, in Resonanz treten zu lassen.
Das Stück initiiert ein Zusammenspiel zwischen einem Instrument, dessen Klang normalerweise rasch verklingt, sobald der Luftstrom unterbrochen wird, und einem Raum, der auf die erzeugten Klänge resonierend antwortet. In dieser Wechselwirkung wird der Raum zu einem aktiven Bestandteil des Akkordeonklangs – eines Instruments, dessen Töne gewöhnlich in ganz anderen akustischen Umgebungen entstehen, hier jedoch vom Nachhall des Raumes aufgenommen und verwandelt werden.
For Alvin Lucier ist dafür konzipiert, ohne Verstärkung in einem stark hallenden Raum aufgeführt zu werden, der die Wechselwirkungen zwischen den Tönen und Klangfarben verstärkt und verlängert. Soll das Stück jedoch in einem trockeneren oder weniger hallenden Raum aufgeführt werden, ist empfohlen, die Instrumente zu verstärken und dem verstärkten Klang eine moderate Menge künstlichen, jedoch natürlich klingenden Nachhalls hinzuzufügen.

Eli Greenhoe ist ein Komponist, Produzent, Dirigent und Gitarrist aus Brooklyn, New York. Seine Werke wurden unter anderem von loadbang, Ensemble Dal Niente, Bergamot Quartet, Miranda Cuckson, Aki Takahashi und Contemporaneous in Auftrag gegeben und aufgeführt. Er erhielt Fellowships, Residenzen und Auszeichnungen von der American Academy of Arts and Letters, I-Park, ASCAP, Bang on a Can, Beth Morrison Projects und Yale University. Als Songwriter und Produzent arbeitet er regelmäßig mit Musikerinnen und Musikern unterschiedlichster Traditionen zusammen. Vor allem nimmt er Musik auf und tritt als eine Hälfte eines von ihm gemeinsam mit dem Komponisten und Multiinstrumentalisten Hans Bilger geleiteten Projekts auf. Das Duo veröffentlichte 2025 sein Debütalbum Orchids beim Label Adhyâropa Records, das vom belgischen Radiosender BRF 1 als „a vibrant burst of blossoms … very fascinating“ beschrieben wurde. Als Interpret bewegt sich Eli in vielfältigen musikalischen Kontexten. Er spielt regelmäßig im improvisierenden Sextett Locomotive, das von Adam O’Farrill und David Leon geleitet wird, sowie gemeinsam mit der Geigerin und Komponistin Ledah Finck im Avant-Folk-Duo Freddy and Sally. Zu seinen jüngsten Engagements als Gitarrist gehören Auftritte mit Contemporaneous, der Yale Philharmonia und beim Norfolk Chamber Music Festival. Als Dirigent brachte er kürzlich Patricia Brennans abendfüllendes Werk Of the Near and Far für improvisierendes Ensemble in der Jazz Gallery in New York zur Uraufführung. Greenhoe ist außerdem im interdisziplinären Bereich aktiv: Seine Film- und Werbemusik wurde online im Vogue Magazine präsentiert und war Teil der offiziellen Auswahl des Maryland Film Festival 2020. Gemeinsam mit dem Filmemacher Max Bowens arbeitet er regelmäßig zusammen. Ihr jüngstes Projekt, Looking at You Looking at Me, wurde für die Teilnahme am Festival Cinéma du Réel 2026 in Paris ausgewählt. Eli absolviert derzeit den Doctor of Musical Arts an der Yale School of Music.

 

Pauline Oliveros

Sonic Meditations (1971)
XXI. What constitutes your musical universe?
 

Euna Joh

Was, is, is to come (2024)
Das Stück entfaltet sich als klangliche Reflexion über Zeit – über das, was war, das, was ist, und das, was unausweichlich auf uns zukommt. Unterschiedliche Spieltechniken des Akkordeons (Vibrato, Tastentremolo, Balgtremolo und Bellows Shake) – die üblicherweise nur einzeln erzeugt werden können – werden dank der Besetzung von zwei Akkordeons miteinander kombiniert. Zwischen beiden Instrumenten entstehen so fragile Übergänge, Verdichtungen und Reibungen, die den Klangraum in ständiger Bewegung halten. Ein zentrales Bezugselement bilden Zitate aus der Messe Holy Holy Holy.

Euna Joh ist eine koreanisch-amerikanische Komponistin und Pianistin mit Lebensmittelpunkt in New York City. Ihre künstlerische Arbeit widmet sich den kognitiven Dimensionen von Erinnerung, dem menschlichen Verlangen sowie Einflüssen traditioneller koreanischer Musik. Dabei verfolgt sie das Ziel, die vielschichtigen Verflechtungen von Gedächtnis, kultureller Identität und musikalischem Ausdruck freizulegen und eine eindringliche Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen. Ihre Kompositionen wurden in den gesamten Vereinigten Staaten, Europa sowie in Südkorea aufgeführt. Sie arbeitete mit renommierten Musikerinnen und Ensembles zusammen, darunter Miranda Cuckson, das JACK Quartet, Windscape, das Unheard-of Ensemble und das Tactus Ensemble. Euna Joh erwarb ihren Master of Music in Komposition an der Manhattan School of Music bei Reiko Füting sowie einen doppelten Bachelor of Music in Klavier und Komposition an der West Virginia University, wo sie bei Peter Amstutz, David Taddie und Yu-Chun Chien studierte.

 

Thomas Palmer

A Chantar (2026) DE
Das Werk nimmt Bezug auf das einzige erhaltene Lied der Comtessa de Dia, „chantar m’er de so qu’eu no volria“ („Ich muss ein Lied singen, das ich lieber nicht singen würde“), ein Werk des 13. Jahrhunderts über unerwiderte Liebe. Das Stück bezieht sich außerdem auf Chornobyldorf, eine Oper, die inmitten der kulturellen Bruchstücke spielt, die nach einer Apokalypse zurückgeblieben sind und in der Akkordeons eher wegen ihrer visuellen und kulturellen Wirkung als wegen ihrer konventionellen musikalischen Funktion eingesetzt werden. Fragmente neuerer Musik, die sich überwiegend mit denselben Themen beschäftigen, über die auch die Comtessa vor Jahrhunderten schrieb, ziehen eine Verbindung vom 13. Jahrhundert über eine Realität, die nicht existiert (aber existieren könnte), bis in die Gegenwart – durch Musik, von der nie erwartet wurde, dass sie für immer erhalten bleibt. Das Stück stellt sich vor, welche Fragmente von uns für die Zukunft übrigbleiben könnten, zerbrochen durch die Zeit oder durch eine Apokalypse. Haben wir schon immer Kunst über dieselben Dinge geschaffen?

Thomas Palmer (geb. 1997) ist ein in New York City lebender Komponist. Seine Werke wurden in den gesamten USA von Ensembles wie den Grammy-prämierten Imani Winds, dem Akropolis Quintet, Miranda Cuckson, John Popham, Lucy Shelton, Windscape und Noise Catalogue aufgeführt. Thomas erhielt den John and Lucrecia Herr Award for Composition und den Arthur M. Fraser Award sowie den Presser Scholar Award für außergewöhnliche musikalische und akademische Leistungen. 2019 wurde er im NPR-Programm Sonatas and Soundscapes des South Carolina Public Radio interviewt. Seine Werke werden von Murphy Music Press und MusicSpoke veröffentlicht. Sein Stück Don!t! Pa!nic! wurde 2021 als Gewinner des Carl Kanter Prize der Manhattan School of Music ausgewählt. 2022 war Thomas Finalist beim ASCAP Foundation Morton Gould Young Composer Awards Competition. Thomas interessiert sich insbesondere für neue und experimentelle Musik sowie für die Schnittstellen von Musik und Technologie, Erinnerung, Popkultur und Internet-Ephemera. Er erwarb seinen B.M. in Komposition an der University of South Carolina und seinen M.M. in Komposition an der Manhattan School of Music, wo er bei Dr. Reiko Füting studierte.

 

Rainer Rubbert

Essentials I (2012)

I. rubato
II. feroce
III. calmo

Der 1. Satz – rubato – ist eine arabeske Introduktion, 
der 2. Satz – feroce – besteht aus vier musikalischen Gesten, die vielfältig kombiniert werden,
der 3. Satz – calmo beschränkt sich auf vier dreistimmige Akkorde.

Rainer Rubbert wurde 1957 in Erlangen geboren und wuchs in Berlin auf.
1975-1981 Kompositionsstudium an der Hochschule der Künste Berlin bei Prof. Witold Szalonek. Er erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, u.a. 1979 den Prix Marcel Josse, 1986/87 das Cité des Arts-Stipendium Paris, 1989 den Kompositionspreis Budapest, 1992 den Kunstpreis Musik der Akademie der Künste, 2003 das Villa-Serpentara-Stipendium, 2007 den Carl-von-Ossietzky-Kompositionspreis und 2012 den Premio Città di Fossacesia.
2008 schrieb er die Kleist Oper nach dem Libretto von Tanja Langer.
2013 wurde er mit dem Deutschen Musikautorenpreis ausgezeichnet.
Er lebt und arbeitet in Berlin.

Reiko Füting

Reines, klares Blau (2026) DE
Das Stück wurde für das Akkordeonduo con:trust geschrieben und ist ihm in Dankbarkeit und Bewunderung gewidmet. Der Titel spielt auf die Lyrik Georg Trakls an, in der die Farbe Blau häufig vorkommt. „Blau“ ist außerdem die Referenz im Titel von Salvatore Sciarrinos Solo-Akkordeonkomposition Vagabund blu, deren Klangwelt als wichtigste klangliche Inspiration für dieses Stück diente. Darüber hinaus zitiert die Komposition eine harmonische Progression aus Josquin Desprez’ Motette „Nymphes du bois“, auch bekannt als „Lamentation on the Death of Ockeghem.“

Reiko Füting wurde 1970 in Königs Wusterhausen geboren. Nach dem Besuch der Musikhochschule Wernigerode und ihres Rundfunk-Jugendchores studierte er Komposition und Klavier an der Hochschule für Musik Dresden, an der Rice University in Houston (Texas), an der Manhattan School of Music in New York City und an der Seoul National University in Südkorea. Zu seinen wichtigsten Lehrern gehören die Komponisten Jörg Herchet und Nils Vigeland sowie der Pianist Winfried Apel. Nach einer Lehrtätigkeit im Fach Vokalcoaching an der Hochschule für Musik und Theater Rostock wurde Reiko Füting im Jahr 2000 zum Professor für Komposition und Musiktheorie an der Manhattan School of Music berufen. Seit 2005 leitet er dort die Abteilung für Musiktheorie und seit 2020 die Kompositionsabteilung. 2022 wurde er zusätzlich zum Dean of Academic Core ernannt. Als Gastdozent unterrichtete er an Universitäten, Musikhochschulen und Festivals in Österreich, China, Kolumbien, Italien, Russland, Südkorea und den USA. Als mehrfach ausgezeichneter und mit Stipendien geförderter Komponist wurde Reiko Fütings Musik in zahlreichen Ländern Europas, Nord- und Südamerikas sowie Asiens aufgeführt. Er arbeitete mit international renommierten Interpretinnen, Interpreten und Ensembles zusammen, wobei sein besonderes Interesse Chören, Vokalensembles und Ensembles mit historischen Instrumenten gilt. Aufnahmen seiner Musik erscheinen vor allem beim New Yorker Label New Focus Recordings; seine Partituren werden vom Verlag Neue Musik in Berlin veröffentlicht. 2021 initiierte er in New York die Konzertreihe „New Sounds New Sounds New“, aus der die Organisation „new = living: music!“ hervorging. 2022 wurde sein Musiktheaterwerk über das Leben der Mystikerin Mechthild von Magdeburg anlässlich der Wiedereröffnung des Konzerthauses in Magdeburg uraufgeführt.

„Mit meiner Musik möchte ich die psychologische Natur der Erinnerung erforschen, wie sie sich im kompositorischen Mittel des musikalischen Zitats widerspiegelt. Indem ich dieses Mittel im gesamten Spektrum von Aneignung, Integration, Disassimilation, Desintegration und Segregation verwirkliche und mich frei zwischen klaren Grenzen und allmählichen Übergängen bewege, können Zitat und Erinnerung dazu dienen, über zeitgenössische künstlerische, kulturelle, soziale und politische Phänomene zu reflektieren.“

CON:TRUST

Das Akkordeonduo con:trust, gegründet im Jahr 2016 in Weimar, setzt sich aus den preisgekrönten Akkordeonisten, Komponisten und Pädagogen Marius Staible und Daniel Roth zusammen.
Die beiden Musiker engagieren sich aktiv für die Weiterentwicklung des Akkordeons und seiner Literatur.
Sie selbst betonen: „Das Akkordeon ist ein junges Instrument und spiegelt somit unseren Zeitgeist wider – es ist wunderbar, dazu etwas beitragen zu können.“
Staible und Roth haben zahlreiche Uraufführungen von Werken nationaler und internationaler Komponist:innen, darunter Uroš Rojko, C. René Hirschfeld, Tim Helbig und Gianluca Castelli, realisiert. Sie traten bei angesehenen Festivals und Konzertreihen auf, wie dem Kurt Weill Fest in Dessau, den Bachspielen in Leipzig, New Sounds New Sounds New in New York sowie dem Kunstfest Weimar.

Marius Staible, der aus Nürnberg stammt, hat klassisches Akkordeon und Musikpädagogik bei Stephan Bahr und Prof. Claudia Buder sowie im „Profil Neue Musik“ Musikproduktion und Elektroakustik am SEAM in Weimar studiert. Im Jahr 2021 wurde er erster Preisträger des internationalen Akkordeonwettbewerbs in Vilnius.

Daniel Roth wuchs im Saarland auf und studierte Akkordeon bei Prof. Claudia Buder, Prof. Ivan Koval und Prof. Veli Kujala in Weimar und Helsinki sowie Musiktheorie als Zweitfach bei Prof. Jörn Arnecke und Marcus Aydintan in Weimar. 2023 wurde er mit dem 1. Preis des internationalen Akkordeonwettbewerbs accordions-nous in der Kategorie Senior Variety in Belgien ausgezeichnet.

Das Duo wurde 2017 erster Preisträger der beiden internationalen Kammermusikwettbewerbe Val Tidone und Tino Anguissola Scotti in Italien. Es folgten Konzertreisen in die Tschechische Republik und nach Israel, sowie Auftritte in der Berliner Philharmonie. Das Duo erhielt für seine besonderen musikalischen Leistungen den Franz Liszt Preis 2022. Nach konzertanten Auftritten in Griechenland, Österreich, Belgien, Frankreich, Finnland, den vereinigten Arabischen Emiraten und Israel krönten Staible und Roth 2024 ihren internationalen Erfolg mit einer Konzerttournee in New York, Toronto und Berlin. Ihre Teilnahme am Supertalent 2024 war ein großer Erfolg: Der Auftritt des Duos zählt mit über 2 Millionen Aufrufen auf YouTube zu den erfolgreichsten Acts der Sendung. 2025 wurde das Duo con:trust mit dem 1. Preis des John Cage Awards in Halberstadt ausgezeichnet

Dienstag, 20. Oktober, 20:00 UhrWer Ohren hat, der sehe.
Wer Augen hat, der höre.
LIVE-STREAM:  https://youtube.com/live/GZhqJv4qWoI

Duo Amoeba

Alejandro Sarriegui & Moritz Koch,Schlagzeug und Performance

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Carola Bauckholt

Hirn und Ei (2011)
für 2 Performer mit Regenjacken

Das Stück, das ursprünglich für vier Schlagzeuger geschrieben wurde, zeigt die Szene einer absurden Begegnung zwischen Figuren, die durch Geräusche ihrer Jacken und Kleidungsstücke ein Kommunikationssystem aufbauen. Es lassen sich ineinander verflochtene „Dialoge“, Klänge, Ausdrücke und Aktionen unterscheiden. Gemeinsam erweitern sie das Musikalische ins Außermusikalische und schaffen so eine intermediale Kunstform. Diese vom Duo Amoeba präsentierte Neufassung schlägt eine Umsetzung für zwei Musiker auf der Bühne vor.

Carola Bauckholt (*1959 in Krefeld) studierte Komposition bei Mauricio Kagel in Köln. 1985 gründete sie den Thürmchen Verlag und 1991 das Thürmchen Ensemble. Von 2015 bis 2024 war sie Professorin für Komposition an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz. Zudem wirkt sie als weltweite Gastdozentin und ist seit 2021 Direktorin der Sektion Musik der Akademie der Künste Berlin.
Im Zentrum ihres Schaffens steht das Nachdenken über Wahrnehmung. Bauckholt verbindet Musiktheater, visuelle Kunst und konzertante Musik, wobei sie oft geräuschhafte Klänge und ungewohnte Mittel in ihrer freien Entfaltung erkundet.
Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Musikautorenpreis (2010), dem Abbiati Prize (2025) sowie dem Louis Spohr Preis (2025). Internationale Porträtkonzerte (u. a. Chicago, Witten, New York) und Residenzen – wie in der Villa Massimo (1997), Villa Aurora (2022) und Villa I Tatti (2021) – unterstreichen ihre renommierte Stellung in der zeitgenössischen Musik.

 

Yiran Zaho

Piep (2014/15)
für 2 Performer mit Metronomen

Für zwei Metronome KORG MA-1. Das Metronom, das gewöhnlich ein Werkzeug zum Trainieren verschiedener musikalischer Fähigkeiten ist, wechselt in diesem Stück seine Rolle und wird selbst zum Musikinstrument. Es verlässt seine dienende Funktion und wird zum Protagonisten des musikalischen Diskurses. Die durch die verschiedenen Funktionen bestimmten Bewegungen spiegeln sich auf dem kleinen digitalen Display der Geräte wider und bilden eine Art mechanische Choreografie.

Die in Berlin lebende Komponistin und Performerin Yiran Zhao ist musikalische Leiterin der Performance-Kompanie OBLIVIA (Helsinki). In ihren Arbeiten verbindet sie Musik mit performativen Elementen, Licht, visueller Kunst und weiteren Medien. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Physis der Aufführung: Seit ihren Anfängen in Europa nutzt Zhao den menschlichen Körper und Alltagsgegenstände intensiv als kompositorisches Material.
Zhao studierte Komposition bei Guoping Jia, Caspar Johannes Walter, Erik Oña sowie Carola Bauckholt und unterrichtete an der Anton Bruckner Privatuniversität Linz.
Ihre Werke wurden international auf renommierten Festivals und von führenden Ensembles aufgeführt – darunter das Deutsche Symphonie-Orchester, Ensemble Modern, Ensemble Musikfabrik, Wien Modern, Eclat sowie die Darmstädter Ferienkurse. Für ihr Schaffen erhielt sie zahlreiche Preise und Stipendien, u. a. von der Akademie der Künste Berlin, den Musikfonds, NOperas! sowie Artist-in-Residence Munich 2024. 2022 erschien ihre Porträt-CD in der
 WERGO – Edition Zeitgenössische Musik.

Manos Tsangais

Tafel I (Wissers Wedertraum) (1989)
für 2 Performer mit Licht und Objekten
Eine intime Szene, konzipiert als ein klangliches und visuelles Objekttheater für zwei Performer an einem Holztisch, mit Walkman, Radio, mobilen Lichtquellen und diversen Objekten.

Manos Tsangaris (*1956 in Düsseldorf) ist Komponist, Schlagzeuger, Lyriker und Ausstellungskünstler. Er studierte u. a. bei Mauricio Kagel an der Musikhochschule Köln und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des zeitgenössischen experimentellen Musiktheaters.
Ein zentrales Thema seines Schaffens ist die Erforschung von Bedingungen der Kommunikation. Seine Kompositionen – oft als vielschichtige Raum-Zeit-Installationen angelegt – verbinden Musik, Sprache, visuelle Kunst und szenische Elemente. Dabei macht er das Publikum und die Raumsituation häufig zum integralen Bestandteil der Aufführung.
Von 2003 bis 2021 war Tsangaris Professor für Komposition an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden. Er leitete gemeinsam mit Michael Wertmüller die Münchener Biennale und ist seit 2024 Präsident der Akademie der Künste Berlin. Für sein interdisziplinäres Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Kunstpreis der Stadt Zürich, den Schneider-Schott-Musikpreis sowie den Deutschen Musikautorenpreis der GEMA.

–

Rebecca Saunders

Void II (2014/2020)
für Schlaginstrumente
Das Werk ist ursprünglich für zwei Schlagzeuger und Orchester konzipiert. Die hier präsentierte zweite Fassung ist ausschließlich für zwei Schlagzeuger geschrieben. Es gehört zu ihren zentralen Arbeiten, in denen sie die physische Präsenz von Klang, Stille und Raum im Konzertsaal erforscht. Der Titel Void beschreibt kein bloßes Fehlen von Ton, sondern die Qualität der Stille vor, nach und zwischen den Klängen. Saunders versteht das Schlagwerk als Material, das Energie, Dichte sowie akustische Rest- und Nebengeräusche erzeugt. Die zwei Solo-Percussionisten fungieren als musikalisches Zentrum und Reibungsfläche. Ihr Instrumentarium umfasst erweiterte Spieltechniken wie das Schaben, Reiben und langsame Entfalten von Resonanzen auf Metallscheiben und Fellen sowie den Einsatz von Instrumenten, die aus jahrelanger Erforschung verschiedener Klangquellen entstanden sind. Das Stück bewegt sich zwischen kaum hörbaren, an der Wahrnehmungsgrenze schwebenden Texturen und wuchtigen, hochexplosiven Klangausbrüchen.

Mit ihrer unverkennbaren und bemerkenswerten Klangsprache ist die in Berlin lebende britische Komponistin Rebecca Saunders (geb. 1967) eine der führenden internationalen Vertreterinnen ihrer Generation. Im Fokus ihres Werks liegen die plastischen und räumlichen Eigenschaften von organisierten Klängen sowie kollaboratives Arbeiten im Dialog mit verschiedenen Musikern und Künstlern.
In London geboren, studierte sie Komposition bei Nigel Osborne und Wolfgang Rihm. Für ihre Kompositionen hat Saunders zahlreiche Preise erhalten, darunter den Ernst von Siemens Musikpreis 2019 und erhielt zuletzt den Goldenen Löwen für Musik der Biennale von Venedig 2024. Sie erhielt dem Ehrendoktorwürde von den Universitäten Huddersfield in 2018 und Edinburgh in 2023. Sie ist Mitglied der Akademien der Künste in Berlin, München und Dresden.

 

Georges Aperghis

Retrovailles (2013)
für 2 Perkussionisten mit Stimme und Phonemen, Körperperkussion, Gestik und Alltagsgegenständen
Das Stück untersucht eine wiedererkennbare soziale Situation: Zwei alte Bekannte begrüßen sich und erinnern sich an gemeinsame Erfahrungen. Die Kommunikation wird jedoch durch Silben ohne eindeutige semantische Bedeutung und durch theatralisierte Aktionen vermittelt. Geschrieben für zwei Performer, baut die Inszenierung mit schlichten Requisiten wie einem Tisch, einer Flasche, einem Glas sowie dem Einsatz des menschlichen Körpers und der Stimme eine dramatische Situation auf, in der sich alltägliche Gesten und fragmentierte Sprache in musikalisches und theatralisches Material verwandeln.

Georges Aperghis (*1945 in Athen) ist ein griechischer Komponist, der seit 1963 in Paris lebt und arbeitet. Er gilt als einer der prägendsten Pioniergestalten des zeitgenössischen Musiktheaters.
Ausgehend von autodidaktischen Studien entwickelte er eine eigenständige Klangsprache, in der die Verbindung von Musik, Theater, visueller Kunst und Sprache im Zentrum steht. Charakteristisch für sein Werk ist der Einsatz fragmentierter Phoneme, sprachlicher Silben sowie die enge Einbindung der Performenden mit ihrer Gestik und Physis. 1976 gründete er das Ensemble 
ATÈM (Atelier Théâtre et Musique), mit dem er neue Formen der Musiktheater-Performance erprobte.
Aperghis arbeitet regelmäßig mit führenden europäischen Ensembles für Neue Musik zusammen. Sein vielschichtiges Schaffen wurde mit bedeutenden internationalen Preisen ausgezeichnet – darunter der Mauricio-Kagel-Musikpreis (2011), der Goldene Löwe der Biennale von Venedig für sein Lebenswerk (2015) sowie der renommierte Ernst von Siemens Musikpreis (2021).

Moritz Koch ist festes Mitglied des Ensemble hand werk und arbeitet regelmäßig mit international bekannten Ensembles, wie MusikFabrik, Ensemble Modern, NoTabu und vielen anderen.
Er schloss 2023 sein Konzertexamen an der HfMT Köln mit Auszeichnung ab.  In der Spielzeit 2020/21 war er Stipendiat der Ensemble Modern Akademie.
Seine Konzerttätigkeit reicht vom Jazzschlagzeuger bis hin zu Opernproduktionen u.a. mit dem HR-Sinfonieorchester, der Deutschen Oper am Rhein, oder den Bremer Philharmonikern. Seit einigen Jahren fokussiert er sich jedoch auf zeitgenössische Musik und Ensemblespiel sowie die Arbeit mit Komponist:innen unserer Zeit. Konzertreisen in diesem Bereich führten ihn bislang u.a. nach Bolivien, Argentinien, Thailand, China, Brasilien, Israel, Polen, Dänemark, Griechenland, den Niederlanden sowie durch Österreich und Deutschland. Außerdem produzierte er CD-Aufnahmen für NEOS und Kreuzberg Records.
2021 schloss er sein Masterstudium bei Rainer Römer mit Bestnote ab. Von 2015-2019 studierte er bei Olaf Tzschoppe an der HfK Bremen.

Alejandro Sarriegui steht für ein vielseitiges Schaffen an den Schnittstellen von klassischem Schlagzeug, zeitgenössischer Musik, Performance und künstlerischer Forschung. Nach ersten Schlagzeugstudien in seiner Heimatstadt setzte er seine künstlerische und akademische Ausbildung in Europa fort. Er absolvierte ein Masterstudium an der Hochschule für Musik Mainz mit Fokus auf spezialisierte Performance und vertiefte an der Musik-Akademie Basel/FHNW im Studiengang Music and Research Forschungsfragen der historischen Aufführungspraxis Neuer Musik sowie hybride aufführungspraktische Ansätze.
Als vielseitiger Interpret bewegt er sich zwischen klassischem Repertoire, experimentellem Musiktheater und zeitgenössischer Kammermusik. Neben seiner Tätigkeit als Solist und Ensemblemusiker wirkte er bei renommierten Konzertreihen und Festivals mit, darunter als Solist beim Acht Brücken Festival. Darüber hinaus gibt er seine pädagogische und künstlerische Expertise als Dozent im Rahmen internationaler Workshops und Vorlesungen an renommierten Universitäten in Argentinien, Mexiko und Venezuela weiter. Er ist Mitglied des Duo Amoeba, einem Ensemble, das sich post-instrumentalen Praktiken widmet, und trat mit Formationen wie dem Ensemble Musikfabrik, dem One Earth Orchestra, dem Ensemble Resonanz sowie dem Ensemble Iberoamericano auf.

 

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Ihre Rainer Rubbert und Martin Daske

 

 

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aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt

Alle Veranstaltungen finden im BKA-Theater, Mehringdamm 34, 10961 Berlin, statt.
Telefon: 030 – 20 22 007

Eintritt: 13,- / 9,- €
Zehnerkarte: 80,- / 60,- € (übertragbar)

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