an alle Mitglieder: CALL FOR WORKS – DEGEM CD 2026

an alle Mitglieder: CALL FOR WORKS – DEGEM CD 2026

Kurator*innen: Denise Ritter & Marcus Beuter

ZEITREISEN
Zeitreisen faszinieren, inspirieren und hinterfragen unser Verständnis von Identität, Kausalität und Gegenwart.
Was geschieht, wenn wir unserem früheren Ich begegnen oder der eigenen Zukunft lauschen? Welche Vergangenheit ließe sich verändern, und welche Zukunft würde dadurch entstehen?
Wir laden Komponist*innen und Klangkünstler*innen ein, Zeitreisen als künstlerisches, klangliches und konzeptuelles Feld zu erkunden.
Denkbar sind Reisen in persönliche Erinnerungen, imaginierte Zukünfte, historische oder musikalische Epochen – ebenso wie Sprünge zum eigenen Frühwerk oder zu einem noch nicht existierenden Spätwerk.
Utopien, Dystopien, alternative Zeitlinien, Zeitschleifen, Zeitmaschinen, Parallelwelten oder verlorene Chrononaut*innen können ebenso Ausgangspunkt sein wie Science-Fiction-Motive à la H. G. Wells, Doctor Who, Star Trek sowie neu erdachte Visionen von Retrofuturismus und Steampunk.
Wissenschaftliche, psychologische und philosophische Perspektiven können ebenfalls einfließen: Zeitdilatation, Quantenhypothesen, Determinismus versus freier Wille oder Fragen nach Erinnerung, Wahrnehmung und Identität.
Nicht zuletzt sind auch politische und gesellschaftliche Fragestellungen sehr willkommen: beispielsweise Afrofuturismus, postkoloniale Visionen, feministische Zeitkonzepte, kritische Reflexionen über Macht, Herrschaft, Technologie oder alternative Gesellschaftsentwürfe.
Wir freuen uns auf vielfältige und unvorhergesehene elektroakustische Stücke, die das Reisen durch die Zeit auf unterschiedlichste Arten hörbar und erfahrbar machen.

Einreichung
• Max. 1 Stück pro Komponist*in
• Audio-Datei: Stereo, WAV/AIFF, Stückdauer zwischen 5 und max. 10 Minuten
• PDF-Datei: Kontaktdaten, Kurzbiographie (deutsch + englisch, je 300 – 500 Zeichen inkl. Leerzeichen), Werktext (deutsch + englisch, je 1000 – 1500 Zeichen inkl. Leerzeichen)
• Einreichung (Audio-Datei + PDF) als komprimierte ZIP-Datei (Vorname_Nachname.zip) per Download-Link an degemCD26@degem.de. Bitte senden Sie keinen Mailanhang.
• Deadline: 1. Mai 2026

Kontakt & Fragen
Denise Ritter & Marcus Beuter
degemCD26@degem.de

CALL FOR WORKS – DEGEM CD 2026
Curators: Denise Ritter & Marcus Beuter

TIME TRAVEL
Time travelling fascinates, inspires and challenges our understanding of identity, causality and the present.
What happens when we encounter our former selves or listen to our own future? Which parts of the past could be changed, and what kind of future would that create?
We invite composers and sound artists to explore time travel as an artistic, sonic and conceptual field.
Possible journeys include trips into personal memories, imagined futures, historical or musical eras – as well as leaps into one’s own early work or into a late work that does not yet exist.
Utopias, dystopias, alternative timelines, time loops, time machines, parallel worlds or lost chrononauts can be starting points, as can science fiction motifs à la H. G. Wells, Doctor Who, Star Trek and newly conceived visions of retrofuturism and steampunk.
Scientific, psychological and philosophical perspectives can also be incorporated: time dilation, quantum hypotheses, determinism versus free will, or questions of memory, perception and identity.
Last but not least, political and social issues are also very welcome: for example, Afrofuturism, postcolonial visions, feminist concepts of time, critical reflections on power, domination, technology or alternative social models.
We look forward to diverse and unexpected electroacoustic pieces that make travelling through time audible and tangible in a wide variety of ways.

Submission
• Max. 1 piece per composer
• Audio file: stereo, WAV/AIFF, piece duration between 5 and max. 10 minutes
• PDF file: contact details, short biography (German + English, 300 – 500 characters each, incl. spaces), text about the piece (German + English, 1,000 –1,500 characters each, incl. spaces)
• Submission (audio file + PDF) as a compressed ZIP file (first name_surname.zip) via download link to degemCD26@degem.de. Please do not send any email attachments.
• Deadline: 1 May 2026

Contact & Questions
Denise Ritter & Marcus Beuter
degemCD26@degem.de

An alle Mitglieder

AUSSCHREIBUNG / CALL FOR MUSIC

DEGEM-Konzert am 03.10.2026 im Rahmen der DEGEM Mitgliederversammlung an der HfM Weimar

Liebe DEGEM Mitglieder,

das DEGEM Mitglieder-Konzert wird in diesem Jahr auf Einladung von Maximilian Marcoll gemeinsam mit der DEGEM Mitgliederversammlung am SeaM in der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar stattfinden. Teilnahmeberechtigt sind alle DEGEM Mitglieder. Ihnen soll in diesem Konzert wieder eine Plattform geboten werden, sich musikalisch zu präsentieren. Pro Mitglied ist eine Einsendung möglich; die Stücke dürfen noch nicht im Rahmen eines DEGEM Konzertes aufgeführt worden sein.

Konzert und Proben finden am Samstag, den 03.10.2026 im Festsaal der HfM, Platz der Demokratie in 99423 Weimar statt.
Die Proben inklusive Aufbau sind ab dem späteren Vormittag möglich, das Konzert beginnt um 17:30 Uhr.
Ebenso wie in den letzten Jahren sind diese Veranstaltungen zeitlich an die jährliche Mitgliederversammlung gekoppelt, die am darauffolgenden Sonntag, den 04.10.2025 im Hörsaal des SeaM abgehalten wird.

Erwünscht sind Stücke, die sich der Frage nähern, was „elektronisches Denken“ bedeuten kann: Arbeiten, in denen Technologie nicht nur als Mittel eingesetzt wird, sondern als Bedingung, Rahmen, Widerstand, Infrastruktur oder ästhetische Grammatik sichtbar wird.
Das Thema ist explizit nicht auf KI fokussiert. Beiträge, die mit und über KI arbeiten sind selbstverständlich willkommen, sofern sie die Fragestellung inhaltlich tragen.
Möglich sind Fixed-Media-Arbeiten, Live-Elektronik, Audiovisuelle Arbeiten (Stereo, klassische 4- oder 8-kanalige Werke etc., bei mehr als 16 benötigten Lautsprechern (kein Dome!) ist eine individuelle Absprache nötig.) Ebenso sind, in begrenzter Anzahl, auch Stücke mit Live-Musiker:innen in der Besetzung Solist:in+Elektronik möglich.
Ein Flügel ist vorhanden. Inside-Spiel ist ggf. nach Absprache möglich. Andere Instrumente müssen mitgebracht werden. Wir möchten darauf hinweisen, dass Stücke mit sehr komplexen Live-Elektronik Setups auf Grund der sehr kurzen Aufbau- Einrichtungs- und Probezeiten eventuell nicht berücksichtigt werden können.

Die Praxis des anonymen Auswahlverfahrens wollen wir nach den guten Erfahrungen der letzten Jahre auch in diesem Jahr fortführen. Wir bitten deshalb darum, auf namentliche Kennzeichnung der eingereichten Materialien zu verzichten (bitte auch die Metadaten der eingereichten Dateien überprüfen) und stattdessen alle Dateien mit einem sechsstelligen Zahlencode zu kennzeichnen. Der Klarname darf nur in der Biografie erscheinen, die die Jury nicht erhält. Visuelle Erkennbarkeit bitte ebenfalls vermeiden. Außerdem sollten Titel unkenntlich gemacht werden, falls sie Rückschlüsse auf die Autorschaft ermöglichen (z. B. über eine Netzsuche). In diesem Falle bitten wir darum, ein weiteres Dokument mitzuschicken, in dem alle für Programmheft und Aufführung nötigen Angaben enthalten sind.

Aufwandsentschädigungen und Reisekosten werden wie folgt für maximal zwei vor Ort beteiligte Personen an einem ausgewählten Werk gezahlt (ergänzend gilt die »Allgemeine Richtlinien zur Erstattung von Reisekosten durch die DEGEM«):
– für die Klangregie 150 €
– für eine/n zusätzlich auftretende Musiker:in 300 €
– für Fahrtkosten pro Person max. 200 €
– für max. eine Übernachtung pro Person max. 70 €

Einzureichende Materialien:
Anonymisierte Audio Datei (obligatorisch):
– Audiodatei(en) im WAV-Format, 48kHz (bitte keine komprimierten Formate):
– bei Stereokompositionen: Audiofile im WAV-Format
– bei Mehrkanalkompositionen: Stereomixdown sowie Einzelspuren als Audiofiles im WAV-Format

Ggf. Anonymisiertes AV-Material:
– Mitschnitt/Produktion bei live-elektronischen und performativen Arbeiten

1 x PDF-Datei anonymisiert (obligatorisch) mit:
– Technical Rider inkl. Skizze der Lautsprecheraufstellung und Kanalzuordnung (bei mehrkanaligen Arbeiten)
– kurzer erläuternder Text
– ggfs. Noten, Improvisationskonzept (diese ist Angabe optional)

1 x PDF-Datei (obligatorisch, nicht für die Jury) mit:
– Biografien der beteiligten Künstler:innen mit Klarnamen
– Ggf. zusätzliche Datei mit Titel und weiteren Angaben

Das Material ist zum Download bereitzustellen (z. B. wetransfer oder dropbox).
Bitte den Download-Link zusammen mit den einzureichenden Materialien idealerweise in einer Email senden an <degemkonzert26@degem.de>.

Einsendeschluss ist der 15.4.2026 (Datum des E-Mail-Eingangs). Die ausgewählten Werke werden Anfang Juni bekanntgegeben.

Weitere Fragen zur Ausschreibung können ebenfalls an degemkonzert26@degem.de gerichtet werden.

Wir freuen uns auf ein reges Interesse an der Ausschreibung!

Mit besten Grüßen im Namen des Vorstandes

Miriam Akkermann
(Vorstandsvorsitzende DEGEM)

+ + + DEGEM – Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik e. V. + + + http://www.degem.de + + +

SONIC PLANET – DEGEM CD 2025


AVAILABLE NOW :
DEGEM CD 25 (2025) SONIC PLANET

Kuratiert von Lejla Bajrami, Teresa Carrasco, Michael Harenberg, Benoît Piccand, Tobias Rüetschi, Cathy van Eck, Salomé Voegelin
Gestaltung & Produktion Marc Behrens
Vertrieb EDITION DEGEM

 

Sonic Planet

01 Dorothee Schabert La Boule
02 Denise Ritter Area One
03 Leon Goltermann versunken
04 Jutta Ravenna Sons circulantes
05 Claudia Robles-Angel somewhere… nowhere
06 Sabine Schäfer Sonic Biospheres
07 Gerald Fiebig Seven Cs
08 Hiromi Ishii Echolocators
09 Sibylle Pomorin Klanglandschaft / Soundscape Maa

 

Eintrag in der EM Doku

Jahres-Mitgliederkonzert der DEGEM

Samstag, 11. Oktober 2025, 19:00
Konzertsaal, HfK Bremen

Hochschule für Künste Bremen
Dechanatstraße 13–15
28195 Bremen

Manuella Blackburn – Train of thought – 9′
Preisträgerin des Thomas-Seelig-Fixed-Media-Preises 2025

Youngjae Cho – incarnations – 8’12“
Jakob Gille – hymioarbolo – 14’18“
Javier Garavaglia – TRANSITIONS – 10’24“
Hanna Hartman – Passage – 13’01“
Karl Gerber – Corporeality (in Verehrung von Harry Partch) – 6’58“
Clemens von Reusner – EREMIA – 12’31“
Sabine Schäfer – Sonic Biospheres – 6’30“
Hyewon Son – Fragment of Silence for fixed audio – 8’56“
Michael Edwards – voir (remix)

Das Mitgliederkonzert wird kuratiert von Thomas Neuhaus und Claudia Robles

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Symposium: »Spatial Audio Currents«

Samstag, 11.Oktober 2025
Kammermusiksaal, HfK Bremen

Hochschule für Künste Bremen
Dechanatstraße 13–15
28195 Bremen

12:00 Uhr Begrüßung von Miriam Akkermann und Nicola L. Hein

12:30-14:00 Uhr Vorträge I
Martin Recker & Paul Hauptmeier – Duo Hauptmeier|Recker (Zimmt, Leipzig): „Speakers and Space – Approaches to Multichannel Sound in Installation and Performance“

Lukas Gölles (IEM, Graz): „Warum schaffen vertikale Linienquellen eine bessere Einhüllung in der Rundumbeschallung?“

Anja Cambria Oellermann, Anna Morbach (HfK Bremen): „HfK – Virtual Spaces: Neue Präsentations- und Klangräume der Hochschule für Künste Bremen“

14:30-15:30 Uhr Vorträge II
Manuella Blackburn: „Composing interruptions: spatial considerations“

Lucas Bennett, Johannes Schütt (ICST, Zürich): „Interpretatorische und aufführungspraktische Anwendungen von Ambisonics – Beispiele und Anregungen

15:30-16:15 Uhr Keynote
Angela McArthur: „tba“

16:30-17:15 Uhr Panel-Diskussion
»Spatial Audio Currents« mit Überleitung in Abschlussdiskussion mit Publikum und Vortragenden

17:15 – 17:30 Uhr Abschluss Symposium

17:30 – 19:00 Uhr Demo ICST/ZHdK (Studio 035)

Das Symposium wird organisiert von Miriam Akkermann und Nicola L. Hein

DEGEM Symposium & DEGEM Jahreskonzert 2025

Das DEGEM Symposium und das DEGEM Jahreskonzert 2025 finden im Rahmen der Tage für elektroakustische Musik und Raumklang an der Hochschule für Künste Bremen statt.
zum Festivalprogramm

Samstag, 11. Oktober 2025
12:00 Uhr, Kammermusiksaal
DEGEM Symposium

19:00 Uhr, Konzertsaal
DEGEM Jahreskonzert
UA des neuen Werkes von Manuella Blackburn, Preisträgerin des Thomas-Seelig-Fixed-Media-Preis 2025

Sonntag, 12. Oktober 2025
10:00 Uhr, Kammermusiksaal
DEGEM Mitgliederversammlung
Ab 12 Uhr öffentlicher Teil

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Gerhard Steinke ist gestorben – ein Nachruf von Folkmar Hein

Nachruf für Gerhard Steinke, geboren am 12.8.1927 in Dresden, gestorben am 26.5.2025 in Berlin. Toningenieur, Forscher, Lehrer, Entwickler, Audio-Consultant, AES Vice President Europe 1991/92. Seine Arbeit war technisch wegweisend und fand weit über die Landesgrenzen hinaus Anerkennung.

Als Schüler wurde Steinke zur Wehrmacht eingezogen, kam in Wolfsburg in amerikanische Gefangenschaft, kehrte Ende 1945 nach Dresden zurück. 1947-1949 Toningenieur beim Landes-Sender Dresden. 1949-1953 Elektrotechnik- und Akustik-Studium an der TH Dresden. 1953-1989 Mitarbeiter / Laborleiter / Direktor am RFZ und Mitwirkung bei der Konzeption des Funkhauses Block B Nalepastraße. 1956 Gründung des Labors für „Akustisch-Musikalische Grenzprobleme“ und 1959 des „Studios für künstliche Klang- und Geräuscherzeugung“. 1963 führte Steinke gemeinsam mit einem Team aus Forschung, Rundfunk und Industrie die Rundfunk-Stereofonie in der DDR ein und entwickelte später das weltweit genutzte Beschallungsverfahren DELTA-STEREOFONIE [DSS]. Seit 1963 aktiv in der AES. 1990-92 Abteilungsleiter bei der Deutschen Telekom (DAB, MPEG, Mehrkanalton). Verantwortliche Mitarbeit in OIRT und ITU/CCIR für u.a. Mehrkanaltechnik, Studioakustik sowie in der Planungsgruppe Surround-Sound-Forum im VDT. Zahlreiche Veröffentlichungen und Patente, Ehrungen für sein Lebenswerk (u.a. Ehrenmedaille der OIRT und des VDT, AES-Gold-Medal).

Wenden wir uns nun dem Thema Elektroakustische Musik (EM) zu und fragen, was hat Gerhard Steinke dazu beigetragen? Das ist so viel, dass ich es nur ausschnittsweise benennen kann. Bekannt dürfte sein, dass unter seiner Leitung nicht nur das Subharchord entstand, sondern auch ein weltoffenes Experimentalstudio für EM. Die Hintergründe dieser politisch riskanten Entwicklung musste man in den 60er und 70er Jahren möglichst verschleiern, aber Steinke hat in den 90er Jahren das dramatische Geschehen unterhaltsam rekapituliert und interpretiert, immer gespickt mit schön-heiteren Anekdoten, etwa mit jener Alias-Strategie: die EM wurde wegen des verpönten, weil als menschenfeindlich eingestuften „Elektro“-Wortes nicht als solche benannt, sondern man sagte einfach „Klangkunst“ dazu.

Seine Tätigkeit als Akustiker und Forscher im Zusammenspiel mit der Verantwortung für das Experimentalstudio (übrigens mit steter Förderung des Gerhard Probst, Vizeminister und verantwortlich für die Telekommunikation in der DDR), öffnete die Tore in die Welt: Steinke wurde Mitglied der AES, besuchte 1955-57 die Darmstädter Ferienkurse, er nahm Kontakt mit zahlreichen Studios auf (Bratislava, Warschau, Mailand, Paris, WDR-SEM Köln, Siemensstudio München), und traf viele Menschen, die damals direkt oder indirekt die internationale Entwicklung der EM beeinflussten: u.a. Hermann Scherchen, Herbert Eimert, Werner Meyer-Eppler, Josef-Anton Riedl, Karlheinz Stockhausen (1). So gelang es Steinke und seinem Team, die EM in der DDR zu etablieren – entgegen parteipolitischer Bedenken und mitten im Kalten Krieg. Er prägte etwas, das 15 Jahre später mit der Gründung des AdK-Studios durch Georg Katzer zum Durchbruch der EM in der DDR führte. Übrigens schon im Rahmen seiner Lehrtätigkeit für Komponisten und Tonmeister der Musikhochschule Hanns Eisler in Ost-Berlin verbreitete er das ganze EM-Repertoire des Klassenfeindes, und in der Akademie der Künste am Robert-Koch-Platz hielt Steinke in den 60er Jahren Vorträge mit vielbeachteten Vorführungen zur elektronischen Klangerzeugung. Seine etwa zeitgleich angebotene 16-teilige Sendereihe im DDR-Deutschlandsender lief 1965 mit Unterstützung des Redakteurs Gerhard Schwalbe fast unbehelligt unter dem Titel „Auf dem Wege zu einer neuen Klangkunst“.

Über den Werdegang des Subharchords ist viel publiziert worden. Das Projekt war zunächst verknüpft mit Oskar Sala und seinem Mixturtrautonium: Sala in West-Berlin erhielt 1949-1951 vom Ost-Berliner Rundfunk den Auftrag, ein „Quartett-Trautonium“ zu bauen. Sala vermochte aber unter den schwierigen Nachkriegsbedingungen und als Einzelperson und Bastler diesen teuren Bau nicht zu vollenden, sein „Drahtverhau“ wurde zwar verschrottet, aber es führte wiederum zum Plan, ein geeignetes Instrument unter dem Namen Subharchord selbst nachzubauen, von Ernst Schreiber mit modernerer Technik entworfen, mit einer Tastatur versehen und mit Riedls MEL-Filtern erweitert. 1962-1970 entstanden 81 Produktionen im RFZ-Studio, davon 41 mit Einsatz des Subharchords und 14 „Konzert-Stücke“. Berühmte RFZ-Werke lieferten u.a. Dessau (Lukullus), Matthus (Galilei), Rzewski (Zoologischer Garten), Wefelmeyer (Protest), Hohensee.

So schön die vom Rundfunk finanzierte RFZ-Studio-Einrichtung auch war: die Räume gehörten zu einer Forschungseinrichtung, und die befürchtete mit Recht, dass sie durch unvorsichtige Termini oder Äußerungen in Studio-Veröffentlichungen Schaden nehmen könnte. Steinke plante daher ab 1968 mit dem Studio in das Funkhaus überzusiedeln, aber dieser Plan misslang und besiegelte sogar das Ende des RFZ-Studios: 1969 hatte man – angeblich – im riesigen Funkhaus für so etwas keinen einzigen Raum mehr zur Verfügung, das Subharchord kam für die Verwendung von „Illustrationsmusik“ in den Hörspielbereich, und die RFZ-Leitung empfahl, man möge das Experimentalstudio in Adlershof langsam „einschlafen“ lassen. – Entsprach dieser Abgang im Osten einer allgemeinen Zeitgeist-Reaktion, die auch im Westen wirkte: das Siemens-Studio München verschwand 1970 endgültig, und die Presse strafte die EM ab, sogar nach ihrem legendären Auftritt auf der Expo 1970 in Osaka. War 1970 allgemein ein Neustart der EM fällig?

Die endgültige Schließung des RFZ-Studios 1970 muss Steinke tief getroffen haben, weil er für diese geliebte Einrichtung so viel Arbeit, Zeit, Nerven und künstlerisches Empfinden aufgebracht hatte. Seitdem wird für ihn die EM-Studioproduktion nur noch als Geschichte aufgetreten sein! Sein Subharchord hingegen lebte weiter und Steinke schwärmt 2018: „Ich habe in den vergangenen 50 Jahren noch nie jemanden gehört, der so virtuos und perfekt mit dem Subharchord spielen kann.“ (2)

Gerhard Steinke konnte begeistern, und er vermochte sich selbst zu begeistern, hat über seine Geschichte(n) jederzeit und ausführlich und sehr unterhaltsam berichtet: über SEINE elektroakustische Geschichte, die uns damit so nahe kommt, als ob wir sie selbst erlebten – ja, mit Bewunderung, Dank und Anerkennung.

Folkmar Hein, 7. Juni 2025

(1) (Der Briefwechsel von Gerhard Steinke in Sachen EM befindet sich (noch unbearbeitet) im Archiv des Elektronischen Studios der TU Berlin, jetzt Audiokommunikation.)
(2) (gemeint war Tomomi Adachi in einem AdK-Konzert)

Quellenhinweise:
• Gerhard Steinke „Rückblick auf die Arbeit des ‚Studios für künstliche Klang- und Geräuscherzeugung‘ im Rundfunk- und Fernsehtechnischen Zentralamt (Deutsche Post) 1960-1970, Berlin- Adlershof“, in DecimE-Mitteilungen Nr. 10 1.9.1993, ab Seite 18, mit ausführlichem Anhang
• Gespräch „EM in der DDR“, Veranstaltung EMhören 2.7.2009 im Elektronischen Studio TU Berlin; mp3.
• Gerhard Steinke „Subharchord® …“ mit Literaturliste, 2020
• Gerhard Steinke: „Die Wiedergeburt des Klangerzeugers Subharchord“, in: Katalog Wien Modern 2007, hrsg. von Berno Odo Polzer und Thomas Schäfer, 2007, S. 162-164.
• Friedemann Kootz „Ein Leben für den guten Ton, Interview mit Toningenieur und Tontechnik-Legende Gerhard Steinke“, Studio-Magazin/Fa. Jünger-Audio 08/17
• Gero Cacciatore & Matthias Pasdzierny „Inside the studio, spaces of electronic Musicproduction — Berlin/Cairo“, Verlag Hatje Cantz, 2025
• Studio für Elektroakustische Musik der Akademie der Künste: „Das Subharchord“

Internationale Dokumentation Elektroakustischer Musik (EMDoku):
Gerhard Steinke gesamt
Gerhard Steinke Person
Werkliste des RFZ-Studios
Subharchord

Abkürzungen
• RFZ: Rundfunk- und Fernsehtechnisches Zentralamt der Deutschen Post (Berlin Adlershof)
• AES: Audio Engineering Society
• VDT: Veband Deutscher Tonmeister
• OIRT: Organisation Internationale de Radiodiffusion et de Télévision.
• ITU: International Telecommunication Union / CCIR: Comité Consultatif International des Radiocommunications

DOWNLOAD Nachruf Gerhard Steinke von Folkmar Hein

Sonic Encounters – DEGEM Konzert

29.Juni 2025 – 18 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10
KONTAKTE 2025 – Festival für Elektroakustische Musik und Klangkunst

Teresa Carrasco
Verzerrte Abweichungen (2025), UA/Premiere, 10ʼ
https://www.emdoku.de/de/work/emdoku/63688

Ketevan Dolnikova-Hahn
Artificial Respiration – Performance (2016–2025), UA/Premiere, 10ʼ
https://www.emdoku.de/de/work/emdoku/63689

Julia Mihály
Main Under – Reloaded (2021– 2025), UA/Premiere, 15ʼ
https://www.emdoku.de/de/work/emdoku/63690

Maria Pelekanou
Gebet in Blau (2023), 6ʼ
https://www.emdoku.de/de/work/emdoku/63691

Viola Yip
Multiplexing Senses – Performance (2025), UA/Premiere, 15ʼ
https://www.emdoku.de/de/work/emdoku/63692

Marisol Jiménez Becerra
Hâuto II – für Maschinenensemble for machine ensemble (2025), UA/Premiere, 20ʼ
https://www.emdoku.de/de/work/emdoku/63693

Tickets und Informationen zum Festival

Der Thomas-Seelig-Fixed-Media-Preis 2026 geht an das Duo Paul Hauptmeier / Martin Recker

Den Thomas-Seelig-Fixed-Media-Preis 2026 vergibt die Jury an Paul Hauptmeier und Martin Recker, die als Autoren-Duo auftreten. Beide Künstler beschäftigen sich vielseitig und künstlerisch überzeugend mit fast allen Genres der elektroakustischen Musik, seien es Installationen, Konzertinstallationen, Musiktheater, Radiokunst, Musik mit Live-Elektronik oder fixed-media, stets unter Berücksichtigung räumlichen Hörens. Darüber hinaus engagieren sich die jungen Künstler in ihrer Tätigkeit im Zentrum für immersive Medienkunst, Musik und Technologie (ZiMMT) in Leipzig derartig für künstlerische, technologische und wissenschaftliche Themen und die Verbreitung Elektroakustischer Musik, dass die Jury auch die gesellschaftlich relevante Qualität der beiden Preis-Träger auszeichnen.

Duo Paul Hauptmeier / Martin Recker

Die Jury: Annesley Black, Teresa Carrasco, Folkmar Hein.

Duo Paul Hauptmeier / Martin Recker
Duo Paul Hauptmeier / Martin Recker ©Peter Adamik

AUSSCHREIBUNG AN ALLE MITGLIEDER * CALL FOR MUSIC * I * DEGEM CD 2025

*** for english see below ***

DEGEM-CD 25 (2025) >>Sonic Planet<<

Kuratorin: Teresa Carrasco

Deadline für Einreichungen: 15. Mai 2025

DEGEM CD25 | AUSSCHREIBUNG

Die DEGEM lädt, in Zusammenarbeit mit dem Sound Arts-Studiengang der Hochschule der Künste Bern unter der Leitung von Teresa Carrasco, ihre Mitglieder zur Einreichung elektroakustischer Kompositionen zum Thema >>Sonic Planet<< ein. Dieses Thema erforscht die klangliche Vielfalt unseres Planeten – von natürlichen Klanglandschaften und urbanen Rhythmen bis hin zu imaginären, technologisch geschaffenen Welten. Gesucht werden kreative Werke, die das Potenzial der Klangkunst und elektroakustischen Musik nutzen, um die Wechselbeziehungen zwischen Klang, Raum und Umwelt klanglich zu erkunden.
Für weitere Details siehe bitte die Ausschreibung mit genauen Angaben.

DEGEM CD25 | CALL FOR MUSIC

The DEGEM, in collaboration with the Sound Arts program at the Bern Academy of the Arts under the direction of Teresa Carrasco, invites its members to submit electroacoustic compositions on the theme >>Sonic Planet<<. This theme explores the sonic diversity of our planet – from natural soundscapes and urban rhythms to imaginary worlds shaped by technology. We are looking for creative works that utilize the potential of sound art and electroacoustic music to explore the relationships between sound, space, and environment.
For further details, please refer to the call for submissions with exact specifications.

 

+ + + DEGEM – Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik e. V. + + + http://www.degem.de + + +